Anrüchiger Abschlussband: „Untouchable“ – Band 02

Anrüchiger Abschlussband: „Untouchable“ – Band 02
TAKANE NO HANA WA CHIRASETAI Vol. 2 © 2020 Aya Sakyo by SHINSHOKAN CO., LTD.

Seit Kurzem ist der Zweiteiler Untouchable der Kuroneko-Schöpferin Aya Sakyo auch in seiner deutschsprachigen Fassung abgeschlossen. Nachdem wir zuletzt den Auftakt innerhalb unseres Ersteindrucks zum Titel näher beleuchteten, widmete sich unsere Redaktion nun auch der anderen Hälfte der Boys-Love-Geschichte im Omegaverse-Setting.

Die gebotene Aufmachung von Egmont Manga überzeugt erneut: Zu einem Preis von 7,50 Euro (D) erhält die Leserschaft einen standardmäßigen Gesamtumfang von rund 180 Seiten, in welchem insgesamt acht über den Band hinweg verteilte Hochglanz-Farbseiten guter Dicke enthalten sind. Die Cover-Außenseite ist matt und ohne weitere Veredelungen gehalten.

Handlung

Die Welt, in der das gegebene Geschehen angesiedelt ist, unterscheidet nicht nur zwischen weiblich und männlich, sondern teilt die Menschen zugleich in drei Kategorien ein. Insgesamt sind somit sechs verschiedene Geschlechter innerhalb des fiktionalen Omegaverse-Settings zu identifizieren. Die sogenannten Alphas sind die führenden Mitglieder einer Gesellschaft, gelten als unnahbar und strahlen Führungsstärke aus. Sie werden von allen bewundert und stehen an der Spitze in allen erdenklichen Sparten des Lebens. Darunter platzieren sich die sogenannten Betas. Das ist jene Klasse von Menschen, die zahlenmäßig am weitesten verbreitet ist. Sie verfügen über keine besonderen Privilegien oder Fähigkeiten und zählen somit zu dem Durchschnitt.

Die zahlenmäßig wenigsten Individuen sind der Omega-Schicht zuzuordnen. Männer wie Frauen, die dieser Beschreibung zuzuordnen sind, können schwanger werden. In der Vergangenheit wurden sie so lediglich als Gebärmaschinen verstanden. Mittlerweile hat sich die Situation für die Betroffenen zwar verbessert, doch wurde die gesamtheitliche Gleichstellung bislang nicht erreicht. Noch immer sind Omegas gesellschaftlich zu einem gewissen Grad diskriminiert.

Im Geschäftsleben können diese beispielsweise nur schwierig eine Festanstellung erlangen, da die Brunst die erwartete Arbeitsleistung einschränkt. Eine Ausnahme bildete bislang der 26 Jahre alte Hana, dieser ist ein Omega und arbeitet in einer an Starbucks angelehnten Örtlichkeit als Aushilfskraft. Trotz seines Alters kam er bislang nicht in die Brunst.

Manga: TAKANE NO HANA WA CHIRASETAI Vol. 1 © 2020 Aya Sakyo by SHINSHOKAN CO., LTD. | Grafik: © Egmont Verlagsgesellschaften mbH

Zumindest bis er vor Kurzem den schwarzhaarigen wie attraktiven Floristen Renjaku, der die Café-Filiale regelmäßig zu besuchen pflegt, besser kennenlernt. Als sich Hana nach der Spätschicht auf dem Nachhauseweg befindet, beschloss er, einen Umweg – vorbei an dem Geschäft des erfolgreichen Blumenkünstlers – zu machen. Dort beobachtete er, wie Renjaku mit einem Lächeln auf den Lippen einen Weihnachtsbaum schmückte. Dieser Anblick faszinierte ihn auch noch am nächsten Tag und führt schließlich zum Ausbruch seiner Brunst.

Dabei handelt es sich um eine periodisch wiederkehrende Zeitspanne, in der die Omegas besondere Pheromone ausschütten und somit die Alphas in sexueller Weise erregen. Bereits in der Vergangenheit kam es zu einem Zwischenfall zwischen Hana und dessen jüngeren Alpha-Stiefbruder Aoba – nun könnte sich das ohnehin komplizierte Verhältnis weiter anspannen. Verzweifelt wendet sich der junge Omega an den Floristen, der sich bereits zuvor seinen physischen Bedürfnissen animalischer Natur annahm …

Zeichenstil

Wie nach dem zuvor verlinkten Ersteindruck erwartet, bildet die Visualisierung der Geschichte das Highlight dieser kurzen Manga-Reihe. Die geübte Illustratorin entzückt sowohl mit ästhetischen Charakterdesigns als auch einer sauberen zeichnerischen Umsetzung, die durch feine Graustufen stimmig akzentuiert wird. Die Hintergrundgestaltung verbleibt minimalistisch.

Im Gegensatz zum Auftakt sind sämtliche sexuelle Darstellungen diesmal an signifikanten Stellen der ansonsten wenig oder nicht bekleideten Körper überdeckt, beispielsweise durch Sprechblasen. Obwohl die gezeigte Erotik dadurch nun eine Nuance weiter abgemildert ist, verbleibt diese im Wesentlichen durch die Gesamtkomposition von lüsternem Charakter. 

Verworfener Cover-Entwurf der deutschen Ausgabe: TAKANE NO HANA WA CHIRASETAI Vol. 2 © 2020 Aya Sakyo by SHINSHOKAN CO., LTD.

Es ist noch immer möglich, kostenfrei in das Werk hineinzublicken und -lesen. Der Berliner Publisher Egmont Manga stellt hier eine deutschsprachige Leseprobe zu dem vorangegangenen Band von Untouchable bereit. Somit kann ein eigener Eindruck durch den verlinkten Auszug aus dem ersten Kapitel der Omegaverse-Geschichte gewonnen werden. Die beschriebenen Szenen lasziver Art beinhaltet dieser Einblick – im Sinne des Jugendschutzes – allerdings nicht. 

Storytelling

Die Geschichte wird fortführend aus der Sichtweise von Protagonist Hana für die Leserschaft wiedergegeben, Florist Renjaku verbleibt weitgehend unnahbar. Während die Erotik weiterhin die Handlung dominiert, ist sich inhaltlich um Tiefgang bemüht. Im Zentrum des Konflikts steht hierbei die Paarbindung, eine Art Hochzeit, die beide Partner aneinander bindet.

Erneut ist neben der visualisierten Lüsternheit auch das Writing entsprechend hervorzuheben. Dieses verbleibt im Wortlaut auch weiterhin derb. Insbesondere des Alphas Textpassagen scheinen davon geprägt – wir vermuteten bereits zuvor, dass es sich dabei um einen verschriftlichten Ausdruck der Dominanz Renjakus handelt. Ob dieser dem eigenen Geschmack entspricht und folglich Unterhaltung schafft, ist seitens der potenziell interessierten Leserschaft individuell abzuwägen.

Obwohl das Omegaverse-Setting mittlerweile unter vielen (Boys-Love-)Lesenden bekannt ist, wurde auch im zweiten Band nicht auf den erklärenden Anhang mit den wichtigsten Begriffe zum Nachschlagen verzichtet, sodass die Geschichte auch von Neueinsteigern in das Segment unproblematisch zu verstehen ist. 

Fazit

Obwohl die Handlung nach einer inhaltlichen Vertiefung bestrebt zu sein scheint, verbleibt diese im Wesentlichen oberflächlich. Stattdessen steht die eindeutig an ein erwachsenes Publikum adressierte Komponente von dieser, jene Erotik, weiterhin im Mittelpunkt. Auch erzähltechnisch bleibt Untouchable dem Trend des Auftakts treu – derb im Ausdruck und ohne sonstige Alleinstellungsmerkmale auf narrativer Ebene.

Bis zuletzt verbleibt der Zeichenstil als Hauptargument für das Lesen im Gedächtnis. Sowohl in Farbe als auch schwarz-weiß finden die Körper der beiden Protagonisten durch Autorin und Zeichnerin Aya Sakyo stets besondere Zuwendung – bekleidet wie unbekleidet. Wer nicht vor freizügigen und rau formulierten Dialogen scheut und keinen unbedingten Wert auf die um die Erotik herum installierte Handlung legt, findet möglicherweise Freude an dem kurzweiligen Titel. Andernfalls ist von diesem tendenziell abzuraten.

TAKANE NO HANA WA CHIRASETAI Vol. 2 © 2020 Aya Sakyo by SHINSHOKAN CO., LTD.

Bei der Redaktion von Egmont Manga bedanken wir uns abschließend für die Bereitstellung eines Belegexemplars.

Lucas Sebastian

Lucas Sebastian | Autor

Student der Medien- Kommunikationswissenschaften. Passionierter Fan asiatischer Populärkultur. Meint, dass thailändische Produktionen in den nächsten Jahren Europa erreichen wie begeistern werden. Auf Twitter unter @LucasISebastian privat zu finden.