Ersteindruck: „Made in Abyss Anthologie“, Band 01

Ersteindruck: „Made in Abyss Anthologie“, Band 01
MADE IN ABYSS KOUSHIKI ANTHOLOGY DOSHIGATAKI TANKUTSUKA TACHI © Akihito Tsukushi/TAKE SHOBO 2017 by TAKESHOBO Co. Ltd.

Bekanntermaßen dauert es immer eine Weile bis ein neuer Band von Akihito Tsukishis Made in Abyss in Japan erscheint. Um Fans die Wartezeit zu verkürzen, gibt es allerdings auch die offizielle Anthologie zum Franchise – seit Kurzem auch auf Deutsch. Wir haben uns den ersten Band für euch genauer angeschaut und berichten von unseren Eindrücken zu diesem im Folgenden.

Die deutschsprachige Ausgabe der Kurzgeschichten-Sammlung erscheint dabei, wie auch die Hauptreihe, als großformatige Klappenbroschur zu einem Preis von 10 Euro (D). In dem Gesamtumfang von 160 Seiten sind zudem vier Farbseiten enthalten – gedruckt auf mattem Papier. Außerdem wartet die Fassung von altraverse mit einem besonderen Bonus auf, in dessen Genuss die japanischen Fans nicht gekommen sind und den wir im Rahmen dieser Review noch näher erklären werden.

Inhaltsbeschreibung

Wie die Bezeichnung „Anthologie“ bereits impliziert, handelt es sich bei dem vorliegenden Manga um eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten verschiedener Künstler*innen. Diese haben sich dabei allesamt an dem von Akihito Tsukishi geschaffenen Universum orientiert. Die einzelnen Geschichten greifen nicht nur auf die bekannten Charaktere, darunter auch Ozen und Bondrewd, sondern auch auf einige bekannte Wesen des Abyss zurück.

Die jeweils um die zehn Seiten langen Kapitel haben einen episodischen Charakter, sind auf die einfache Belustigung der Leserschaft bedacht. Dabei ist stetiger Rückbezug zu bekannten Szenen der Hauptreihe gegeben, mehrfach referieren die Autor*innen und Zeichner*innen beispielsweise auf die bekannte Fessel-Szene mit Riko – diese Form der Bestrafung wird mehrfach innerhalb der verschiedenen Kapitel aufgegriffen. Dabei verbleiben alle Erzählungen ohne nennenswerte Spoiler, zum optimalen Verständnis ist zu empfehlen, dass die Figur Bondrewd, ein vollständig in schwarz gekleideter Abenteurer vom Rang einer Weißpfeife, bereits bekannt ist.

MADE IN ABYSS KOUSHIKI ANTHOLOGY DOSHIGATAKI TANKUTSUKA TACHI © Akihito Tsukushi/TAKE SHOBO 2017 by TAKESHOBO Co. Ltd.

Neben den fünfzehn Kapiteln, die auch in der japanischen Originalfassung enthalten sind, hat altraverse in Zusammenarbeit mit drei deutschsprachigen Künstlerinnen dem Band jeweils eine weitere Episode hinzugefügt – eine ziemliche Besonderheit. An dem ersten Band der offiziellen Anthologie haben sich neben Urares auch die Zarbo-Schwestern Ban und Gin beteiligt. Hierzulande sind diese bereits für ihre Werke Cold – Die Kreatur beziehungsweise Das Geheimnis von Scarecrow bekannt. 

Die Zarbo-Geschwister setzen der ansonsten recht ruhigen Zusammenstellung mit den zwei actionlastigeren Stories namens Zusammen sind wir stark und Eine Hand wäscht die andere etwas Dynamik zu, das Kapitel von Urares trägt den Titel Das Geschenk und stellt Nanachi in den Mittelpunkt der Handlung. Hierbei erwartet das Publikum eine etwas dramatischere Erzählung, die gut zur Vielseitigkeit dieser Kurzgeschichtensammlung beiträgt. 

Visualisierung

Die japanischen und deutschsprachigen Kapitel unterscheiden sich optisch auf den ersten Blick – aufgrund der Seitenaufteilung. Während die Original-Episoden allesamt im 4-Panel-Stil angefertigt wurden, ist diese Begrenzung in zumeist vier Kästchen pro Spalte bei den drei deutschsprachigen Künstlerinnen nicht gegeben. Dadurch präsentieren sich diese Kurzgeschichten inmitten der anderen als kleine Highlights, die die Augen erfreuen.

Da es sich um eine Zusammenstellung verschiedener Stile handelt, ist auch visuell ein Strauß an verschiedenen Techniken geboten. Einige Illustrator*innen adaptieren dabei den Original-Stil von Made in Abyss-Schöpfer Akihito Tsukishi, andere präsentieren dagegen eine eigene Interpretation der Figuren und ihrer Umgebung. Unter dem Strich sind damit zahlreiche Vorzüge geboten.

MADE IN ABYSS KOUSHIKI ANTHOLOGY DOSHIGATAKI TANKUTSUKA TACHI © Akihito Tsukushi/TAKE SHOBO 2017 by TAKESHOBO Co. Ltd.
Foto: © Altraverse GmbH

Auch die eingangs erwähnten Farbseiten stammen aus den Zeichenfeder verschiedener Illustrator*innen. Sowohl diese als auch das komplette erste Kapitel können hier in der kostenlosen Leseprobe betrachtet werden. Das darin abgebildete Inhaltsverzeichnis verschafft euch zudem einen Überblick zu allen Beteiligten des ersten Bandes der Anthologie.

Fazit

Wer neben der Hauptreihe noch tiefer in das Universum um Riko, Reg und Nanachi eintauchen möchte, scheint mit der offiziellen Anthologie zu Made in Abyss gut beraten. Auch Original-Autor Akihito Tsukishi äußerte sich in der Vergangenheit wiederholt positiv zu dieser, beispielsweise hier und an dieser Stelle auf Twitter. 

Inhaltlich wie visuell ist eine angenehme Abwechslung gegeben. Wenngleich der erklärte 4-Panel-Stil für einige sicherlich gewöhnungsbedürftig ist, sorgen sowohl Urares als auch Ban und Gin Zarbo dahingehend für willkommene Abwechslung. Preislich ist der Titel an die ebenfalls bei altraverse erhältliche Hauptreihe angepasst, die in ähnlichem Umfang erscheint. In der Anthologie sind allerdings vier Farbseiten geboten, außerdem wird mit dem Kauf die Arbeit der lokalen Zeichner-Szene unterstützt.

Abschließend bedanken wir uns bei altraverse für die unverbindliche Bereitstellung eines Belegexemplars, das diese Vorstellung ermöglicht.

Lucas Sebastian

Lucas Sebastian | Autor

Student der Medien- und Kommunikationswissenschaften. Glaubt fest daran, dass thailändische Produktionen in Zukunft den Westen begeistern werden. Auf Twitter unter @LucasISebastian privat zu finden.