Zum Anbeißen? – Ersteindruck zu „Vampeerz“, Band 01

Zum Anbeißen? – Ersteindruck zu „Vampeerz“, Band 01
© 2019 by akili / SHOGAKUKAN.

Girls-Love-Manga sind noch immer rar auf dem deutschsprachigen Markt. Egmont Manga bereichert diesen mit der Supernatural-Reihe Vampeerz um einen weiteren Titel des gefragten Segments. Unsere Redaktion hat sich die Veröffentlichung für euch einmal genauer angeschaut und bespricht im Folgenden die Eindrücke zum Auftakt des Werks von Mangaka akili.

Bereits seit Anfang Dezember ist der erste Band der Geschichte auf Deutsch im Handel und dem offiziellen Webshop von Egmont Manga erhältlich. Das rund 160 Seiten umfassende Buch hat ein mattes Cover, das zusätzlich mit Spotlack veredelt ist, der auf der gesamten Innenfläche des gelben Vierecks aufgetragen ist. Zu Beginn begrüßt eine doppelseitig-bedruckte Farbseite die Leserschaft.

Neben dem Großformat ist außerdem die hochwertige Papierqualität ein Highlight dieser Veröffentlichung. Diese zeichnet sich durch eine spürbare Dicke sowie die weiße Farbe aus und hebt sich somit von Standard-Publikationen ab. Preislich ist dies mit 10,00 Euro (D) zu bezahlen. Der Erwerb der Erstauflage ist hierbei besonders lohnenswert, da dieser ein Print beiliegt – wie der Aufkleber auf der Front anzeigt.

Inhaltsbeschreibung

Gerade ist die Großmutter der 14-jährigen Protagonistin Ichika verstorben. Im Kreise von Freunden und der Familie wird diese im Rahmen einer Trauerfeier verabschiedet. Dort trifft das schwarzhaarige Mädchen erstmals auf die gleichaltrig aussehende Aria, von der sie aufgrund ihres niedlichen Aussehens direkt begeistert ist. Die blonden, kurzen Haare der Ausländerin sind dabei ein wahrer Blickfang. 

Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut. Diese besondere Begegnung mündet am Tagesende schließlich in einer Übernachtung. Zu nächtlicher Stunde steigen die beiden zum Dachboden des Hauses hinauf. Als plötzlich ein unbekannter Mann den Weg der beiden Jugendlichen kreuzt, zögert Aria nicht lange und wendet Gewalt gegenüber dem als Eindringling deklarierten Mann an.

© 2019 by akili / SHOGAKUKAN.

Das ist jedoch nicht das Einzige, was Ichika in dieser Nacht ins Staunen versetzt. Durch den Duft der Schülerin betört beginnt Aria damit, ihre bislang versteckten Fangzähne in den Hals dieser zu schlagen und ihr Blut zu trinken – auf sanfte Art und Weise. Noch während die attraktive Ausländerin ihre Kräfte reaktiviert, wird Ichika klar, dass sie ihre erste Liebe gefunden hat …

Auf dieser Prämisse aufbauend kommen sich die zwei Mädchen schließlich näher. Neben ihrem Wesen enthüllt Aria gegenüber ihrer neu gewonnenen Freundin zudem ihren tiefsten Wunsch. Inwiefern diese schockierenden Enthüllungen den weiteren Verlauf beeinflussen, kann in dem ersten Band der Geschichte weiterführend nachgelesen werden.

Zeichenstil

Die Bebilderung der erklärten Handlung ist durchaus interessant. Die modernen Charakterdesigns werden mittels dünner Konturen realisiert, die insbesondere den Haaren der auftretenden Figuren eine interessante Struktur verleihen, die anderen Darstellungen überlegen ist. Feine dunkle Striche sind hierbei in den blonden Haaren Arias verwendet, während helle Glanzeffekte die Frisur Ichikas aufwerten. Recht große Augen und eine freundliche Mimik lassen die beiden Protagonistinnen sympathisch wirken.

Durch zwischenzeitlich kontrastbetonte Hintergrundgestaltungen sind Stimmungswechsel innerhalb der Erzählgeschichte visuell besonders hervorgehoben, da diese ansonsten überwiegend ohne Befüllung ist. Gelegentlich findet Rasterfolie für den Hintergrund oder das Design der Bekleidung in moderatem Maße fachgerechte Verwendung.

Mittels der kostenlosen Leseprobe, über welche wir an dieser Stelle in Vergangenheit ausführlicher berichteten, kann ein eigener Eindruck von dem Manga und dessen Zeichenstil von akili gewonnen werden. Die erwähnte Farbseite ist in der deutschsprachigen Leseprobe jedoch nicht enthalten – das Motiv dieser ist jedoch in schwarz-weiß in der japanischen Leseprobe beinhaltet.

Storytelling

Erzähltechnisch ist vor allem die Dynamik der fünf enthaltenen Kapitel hervorzuheben – innerhalb weniger Seiten werden die beiden Protagonistinnen sowie ihre grundlegendsten Charakteristiken vorgestellt. Im Anschluss betreten die ersten nebengeordneten Figuren den Rahmen des Geschehens. Insgesamt wirkt der Auftakt somit wie ein ausgedehnter Prolog, welcher die nächsten Bände vorbereitet.

© 2019 by akili / SHOGAKUKAN. | Grafik: © Egmont Verlagsgesellschaften mbH

Trotz einiger unerwarteten Wendungen, gestaltet sich die Erzählung interessant wie kurios. Es ist schwierig die exakte Gefühlslage nach dem Lesen wiederzugeben. Ein gewisses Empfinden der Überrumpelung ist am Ehesten zu notieren, wenngleich dies nicht mit einer negativen Konnotativ versehen gemeint ist.

Gelegentlich erscheinen die Figuren zu forsch in ihrem Verhalten; so fragen Ichikas Verwandte die 14-jährige, ob sie denn schon einen Freund habe. Mitschülerinnen bezeichnen sie unterdessen im weiteren Verlauf als „Spätestblühende“. 

Fazit

Der erste Band von Vampeerz wirkt wie ein ausgedehnter Prolog zu der eigentlichen Geschichte, von welcher bislang lediglich einige wenige Elemente bekannt sein. An die Fortsetzung ist daher die Erwartung der Vertiefung der in der ersten Hälfte des vorliegenden Bandes aufgeworfenen Prämisse zu richten. Diese erscheint offiziell am 01. April auf Deutsch.

Erster Teil einer „How to draw“-Videoreihe zu Vampeerz

Visuell gefällt der Titel im Wesentlichen, wenngleich einige wenige Bilder tendenziell zu frivol erscheinen könnten – unter Berücksichtigung des Alters der dunkelhaarigen wie menschlichen Protagonistin Ichika. Ebenfalls könnte Teilen der Leserschaft das zuvor als forsch beschriebene Verhalten einiger Figuren missfallen. Dies ist individuell zu überlegen.

Wir bedanken uns abschließend bei Egmont Manga für das zur Verfügung gestellte Belegexemplar. 

Lucas Sebastian

Lucas Sebastian | Autor

Student der Medien- Kommunikationswissenschaften. Passionierter Fan asiatischer Populärkultur. Meint, dass thailändische Produktionen in den nächsten Jahren Europa erreichen wie begeistern werden. Auf Twitter unter @LucasISebastian privat zu finden.