Interview mit Illustratorin yenkoes

Interview mit Illustratorin yenkoes
©Yenkoes

Da Manga auch eine Form von Kunst sind und inzwischen nahezu überall auf der Welt vertreten sind, werfen wir heute einen Blick über den Tellerrand hinaus auf eine begabte, ehrgeizige und aufstrebende, polnische Illustratorin namens Yenkoes. Diese arbeitet als freiberufliche Illustratorin und gibt mit ihren wöchentlichen Streams auf Twitch mehrmals Einblicke in ihre Arbeit und ihre Person. Ein baldiges V-Tuber-Debüt ist dabei ebenfalls bereits in Planung.

Nachfolgend werden wir uns mit MP abkürzen; wir wünschen viel Spaß beim Interview. For all international readers: An English version is also available at the end of the interview!


MP: Hallo Yenko und vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview mit uns genommen hast.

Yenkoes: Hallo und vielen Dank, es ist mir ein Vergnügen!

MP: Wie lange zeichnest du schon und wie bist du dazu gekommen?

Yenkoes: Diese Frage bekomme ich oft gestellt, aber ich weiß nie wie ich sie beantworten soll. Für mich gab es keinen bestimmten Moment, in dem ich anfing, zu zeichnen. Wir haben alle gezeichnet als wir Kinder waren - nur habe ich einfach nie aufgehört! Ich fing an, mich für Anime und Manga zu interessieren, nachdem mir ein Klassenkamerad Sailor Moon vorgestellt hatte, und der Stil hat mich inspiriert. Aber wenn ich an etwas denken müsste, das für mich einen ‚Anfang‘ bedeuten würde, dann wäre das in 2010 als ich mein erstes Grafiktablett bekam!

MP: Gibt es Personen, die dich bei deiner Arbeit inspirieren oder zu denen du aufsiehst?

Yenkoes: Ja, tatsächlich gibt es eine Menge Künstler, die mich im Laufe der Jahre inspiriert haben, aber als meine Top-Inspirationen würde ich Anmi, Rosuuri und Nagu nennen. Anmi, weil ihr Stil für mich Perfektion definiert; Rosuuri nicht nur wegen ihres schönen Stils, sondern auch wegen ihrer harten Arbeit und ihres Erfolgs in der japanischen Industrie. Nagu aus ähnlichen Gründen wie Rosuuri, aber ich bewundere auch, wie sie perfekte Illustrationen in einer sehr kurzen Zeit hinbekommt.

MP: Du arbeitest als freiberufliche Illustratorin und hast es geschafft, dein Hobby zum Beruf zu machen. Inwieweit spielen dabei Kommissionen von Fans, über Patreon oder Twitch, eine Rolle für dich?

Yenkoes: Patreon und Twitch sind mir jeden Monat eine große Hilfe, aber es sind die Aufträge, die als meine Haupteinnahmequelle dienen. Wenn es die anderen beiden jedoch nicht gäbe, wäre ich nicht in der Lage, Originalinhalte und Fanarts zu posten, also bin ich sehr dankbar. Ich nehme Aufträge für kommerzielle und persönliche Zwecke an und es ist immer etwas anderes, was meinen Job sehr interessant macht!

© Yenkoes

MP: Man hört des Öfteren, wie Zeichner mentale Probleme haben, beispielsweise den Druck, den sie von Fans erhalten oder den Anforderungen, die sie an sich selbst stellen. Hast du dies schon selbst erlebt; wie gehst du damit um?

Yenkoes: Das stimmt. Ich denke, dass es alle Künstler irgendwann trifft. Oft liegt es am Verbesserungsprozess - obwohl ich viele Stunden in ein Kunstwerk investiert habe, hasse ich es am Ende. Manchmal poste ich ein Artwork und schaue es mir nie wieder an und verspreche mir einfach, es beim nächsten Mal besser zu machen. Es kann ein Gefühl des Drucks hervorrufen, ein perfektes Kunstwerk mit einem wachsenden Publikum zu gestalten, und Angst vor Kritik, aber meistens sind wir selbst unsere größten Kritiker. 

MP: Wie schwer ist dir die Umstellung vom traditionellen auf digitales Zeichnen gefallen?

Yenkoes: Das ist nicht ganz so, wie es eigentlich gelaufen ist. Da meine Follower am meisten während meiner traditionellen Phase wuchsen, wissen deshalb viele Leute nicht, dass ich eigentlich als digitale Künstlerin angefangen habe. Damals habe ich auf Deviantart unter einem anderen Namen gepostet. Dann kam ich zu Instagram und wurde eine traditionelle Künstlerin und rührte mein Tablet ein paar Jahre lang kaum an. Vor einem Jahr habe ich beschlossen, wieder zurück zu digital zu wechseln.

Aber um deine Frage zu beantworten: Ja, es war hart. Trotz meiner früheren Erfahrung mit digitaler Kunst fühlte es sich irgendwie so an, als müsste ich alles von Grund auf neu lernen. Meine Arbeiten waren eine Zeit lang sehr steif und unnatürlich. Ich bedauere die Pause von der digitalen Kunst ein wenig, weil ich Jahre wertvoller Fortschritte verloren habe, aber gleichzeitig habe ich auch von meiner traditionellen Phase profitiert, also kann ich mich nicht beklagen.

MP: Welche Arbeitsutensilien benutzt du? (digital und traditionell)

Yenkoes: Für das traditionelle Zeichnen verwende ich hauptsächlich Aquarellfarben und COPIC-Marker! Für digitale Bilder zeichne ich in Clip Studio Paint und benutze ein Wacom Cintiq Pro-Tablett!

MP: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Yenkoes: Ich lasse mich oft spät in der Nacht inspirieren und zeichne dann, daher wache ich meist recht spät auf. Im Allgemeinen arbeite ich, wenn ich gerade nicht streame, entweder an kommerziellen Arbeiten, Patreon-Posts oder ich bereite Skizzen für den Stream vor. Nach dem Streamen ruhe ich mich normalerweise gerne ein paar Stunden aus, hänge mit meiner Community auf meinem Discord-Server ab und kritzle vor dem Schlafengehen auf meinem iPad herum. Und zwischendurch finde ich Zeit zum Kochen und Essen. Nichts Aufregendes, um ehrlich zu sein. haha

MP: Inzwischen verfolgen dich und deine Kunst tausende Leute auf deinen Kanälen. Hat dies für dich etwas geändert im Vergleich zu früher, wo du noch „unbekannter“ warst?

Yenkoes: Ich erinnere mich, dass ich vor langer Zeit 100 Follower gefeiert habe und es für mich bereits nach viel anfühlte, haha. Ich denke, die größere Fangemeinde hat mir vor allem dabei geholfen, keine Probleme bei der Suche nach Aufträgen zu haben. Und im Allgemeinen habe ich jetzt eine nette und unterstützende Community und das hält mich ehrlich gesagt auch an schwierigeren Tagen aufrecht. Aber wie ich bereits erwähnt habe, gibt es manchmal einen gewissen Druck, gute Leistungen zu erbringen.

MP: Inwiefern hat sich dein Stil über die Zeit verändert und wie lange hat es gedauert, bis du deinen persönlichen Stil gefunden hast?

Yenkoes: Mein Stil ändert sich definitiv ständig, aber ich denke, dass ich während der Zeit, in der ich mich auf traditionelle Kunst konzentrierte, meinen Stil als Signatur meiner Arbeit entwickelt habe. Etwas, das die Leute sagen ließ: "Oh, das hat Yenko gezeichnet". Es hat definitiv lange gedauert, aber einen Stil zu entwickeln ist nichts, worüber man sich am Anfang Sorgen machen sollte. Es kommt von selbst, wenn man sich entscheidet, welche Eigenschaften man mag und was man anstrebt. Ich denke, dass es mein Ziel war, immer zu versuchen, mit meinem Stil ich selbst zu sein. Auch wenn ich mich von anderen Künstlern inspirieren ließ, wollte ich nie gleich sein, nur auf meine eigene Art einzigartig. Es war vielleicht der langsamerer Weg, um sich zu verbessern.

MP: Was würdest du Nachwuchszeichnern empfehlen, die das Zeichnen gerade für sich entdecken oder entdecken möchten?

Yenkoes: Wenn man zeichnen möchte, sollten man es einfach tun! Man benötigt keine teuren Arbeitsmaterialen, um anzufangen.  Es kann schwer sein, motiviert zu bleiben, wenn man gerade erst beginnt, aber wenn man es einfach genießt, wird man sich in kürzester Zeit auf natürliche Weise verbessern. Das Umfeld wird einen vielleicht nicht immer unterstützen, aber man sollte nicht aufgeben, denn die Leute werden die Leidenschaft am Ende zu schätzen wissen.

MP: Welcher Arbeitsschritt macht dir am meisten Spaß?

Yenkoes: In letzter Zeit genieße ich den Linearting-Prozess. Früher habe ich diesen am meisten gehasst. Ich mag auch die letzten Schritte der Arbeit, bei der ich alle Farbänderungen und Effekte hinzufüge, damit das Kunstwerk insgesamt besser aussieht.

©Yenkoes

MP: Hast du irgendwelche Pläne für die Zukunft?

Yenkoes: Ich denke es ist schwer, heutzutage irgendetwas zu planen, aber ich würde gerne weiter hart arbeiten, um meine Ziele zu erreichen und vielleicht irgendwann ein Artbook veröffentlichen. Ich wollte schon immer eines machen, aber irgendwie denke ich immer, dass ich es besser machen könnte, wenn ich noch ein bisschen warte.

MP: Hast du noch ein paar Worte an deine Fans?

Yenkoes: Ich möchte euch allen danken, dass ihr meine Arbeit unterstützt und euch die Zeit nehmt, mir jedes Mal, wenn ich etwas poste oder streame, ein paar Worte der Ermutigung zu geben. Ich möchte bescheiden bleiben und jeden einzelnen von euch für die kommende Zukunft schätzen. Ich hoffe, dass ich euch nicht enttäuschen werde!

MP: Vielen Dank für das Interview.

Yenkoes: Vielen Dank für deine Zeit!

English

Maximilian

Maximilian | Autor

Redakteur mit einem Herz für Shojo, abenteuerliche Isekai und actionreichen Shonen. Entdeckt gerade Boyslove und Girlslove für sich. Hat eine Vorliebe für niedliche Zeichnungen. Interessiert an japanischer Kultur und der Mangaindustrie. #supportindustry