Ersteindruck zu An Invisible Scar

Montag, 13. Juli 2020, 10:20
Ersteindruck zu An Invisible Scar
© Tomo Kurahashi / TAKESHOBO

Dass das Boys Love-Segment in Deutschland bei der Kundschaft sehr begehrt ist, hat nun auch KAZÉ erkannt und veröffentlicht seit einiger Weile regelmäßig neue Manga aus dem entsprechenden Bereich. Die Redaktion von Manga Passion hat sich aus dem aktuellen Angebot den Einzelband An Invisible Scar zur Besprechung ausgesucht.

Autorin und Zeichnerin Tomo Kurahashi ist in Deutschland bereits durch Werke wie Köstlich verliebt aus dem TOKYOPOP-Verlag und Doggystyle von KAZÉ bekannt. Anfang Juni erschien zudem der Einzelband Sick unter selbigem Label. Insbesondere An Invisible Scar verdient vorangestellte Aufmerksamkeit, so ist dieses das Debütwerk jener Mangaka. Anfang April erschien dieses zu einem Preis von 6,95 Euro (D),. Im Handel ist der ab 16 Jahre empfohlene Band eingeschweißt, weswegen ein Hineinschauen vor Ort nicht direkt möglich ist.

Der Einzelband gliedert sich in zwei Geschichten. Die Hauptgeschichte umfasst hierbei 117 Seiten, die zweite Handlung ist auf weiteren 60 Seiten dargestellt. Eine doppelseitig bedruckte Farbseite rundet das Buch ab, sodass dieses auf eine Gesamtseitenzahl von 178 Seiten kommt. Das Cover sticht designtechnisch durch das Platzieren silberner Scherben hervor, welche das Licht bei Kontakt reflektieren. Das Verlagslogo sowie Titel und Autorin sind stimmig platziert und gefallen somit.

Die titelgebende Geschichte An Invisible Scar rückt dabei zwei Angestellte einer Werbeagentur in den Vordergrund. Die dort beschäftigten Mitarbeiter werden ausschließlich an ihrem Erfolg durch die Vorgesetzten bemessen. So gilt der junge Katase als Top-Manager, während der zwei Jahre ältere Shibutani deutlich weniger profitabel arbeitet.

Doch glaubt man Gerüchten, ist Katases positive Bilanz alleinig auf dessen Attraktivität zurückzuführen. Es heißt, dass er für einen Auftrag alles tue. Mit seinen Kunden und Kundinnen verabrede er sich nicht nur zum gemeinsamen Einkaufen und zu privaten Abendessen, sondern auch für Dienste der erotischen Art. Dabei ist weder Alter noch Geschlecht ein Ausschlusskriterium für den jungen Geschäftsmann.

Allerdings verbirgt sich hinter der Fassade des starken und erfolggekrönten Mannes eine traurige Vergangenheit familiärer Natur. Möglicherweise kann ihm sein einfühlsamer Kollege Shibutani helfen. Binnen kürzester Zeit nähern sich die beiden Männer nach einer Firmenfeier plötzlich an. Obwohl sie schon einige Zeit in derselben Agentur beschäftigt sind, scheint das Schicksal nun die Ereignisse zusammenziehen ...

© Tomo Kurahashi / TAKESHOBO

Deutlich pikanter gestaltet sich die kürzere und zugleich zweite Geschichte des Einzelbandes. Diese trägt den simplen Titel Loose und ziert zugleich die erwähnte Farbseite auf der Vorderseite. Das Setting ist in einer Mietwohnungs-Anlage platziert. Dort erhält Student Shinichi schon bald einen neuen Nachbarn. Anfänglich tut er dies noch ab, doch schon bald beginnt der neue Mieter den Alltag mit einer besonderen Art der Lärmbelästigung zu stören.

Täglich ist lautes Stöhnen sowie das Knacken eines Bettes der Nachbarwohnung zu erwähnen. Für Shinichi ist klar: der neue Mieter muss ein totaler Macho sein, der jeden Tag ein neues Mädchen verführt. Groß gebaut und braun gebrannt vom Sonnenstudio, so fantasiert er über den lärmenden Anwohner. Als dieser plötzlich an der Tür klingelt, stellt er fest, dass dieser ganz anders ist, als zunächst vermutet.

Jene Geschichte, die deutlich erotischer zu sein versucht, behandelt einen Stubenhocker, den Studenten Shinichi, der noch an die Möglichkeit einer wahren Liebe glaubt und den jungen Autoren Keita. Dieser meint bereits erkannt zu haben, dass es diese nicht gibt. Zu viele schlechte Erfahrungen habe er gemacht. In Loose treffen diese beide Figuren und deren Vorstellungen von der Liebe nun aufeinander.

Bevor der Zeichenstil prägnant besprochen wird, sei erneut darauf hingewiesen, dass es sich bei der vorliegenden Publikation um das Debütwerk der Mangaka Tomo Kurahashi handelt. Entsprechend sind solche Schwächen durchaus noch zu rechtfertigen. Im Wesentlichen besteht die Visualisierung lediglich aus der Darstellung der Charaktere selbst. Es fehlt zumeist an Hintergründen. Sofern diese vorhanden sind, gestalten sie sich einfach. Jener minimalistische Stil hilft allerdings zugleich den Fokus ganzheitlich auf die Handlung zu verlagern.

Das relativ generische Charakterdesign besticht leider nur selten durch den effektiven Einsatz von Kontrasten. Vielmehr erscheinen einige Seiten, auch aufgrund der tendenziell wenig befüllten Hintergründe, etwas blass – beinahe karg. Die erotischen Szenen, die durchaus vorhanden sind, sind der Altersempfehlung von 16 Jahren entsprechend dargestellt. Diese sind – fast zu – kurzgehalten und durch kleinere, weiße Flächen zensiert.

Hinsichtlich der Erzählgeschwindigkeit gestalten sich beide Geschichten zwar als ausreichend erzählt, doch wäre ein seichteres Pacing stellenweise wünschenswert gewesen. Die Charakter-Entwicklung Katases der ersten Handlung erschien überhastet. Dafür ist die Art und Weise der Einarbeitung der Vergangenheit beider Protagonisten dieser Geschichte, An Invisible Scar, durchaus als positiv zu bewerten.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten scheint auch die zweite Kurzgeschichte Loose konfrontiert. Da diese jedoch den Fokus eher auf die Erotik legt, sei dies an dieser Stelle – sowie unter Berücksichtigung der limitieren Platzverhältnisse – als akzeptabel aufzufassen. Für inhaltlich anspruchsvolles Publikum mag die Geschichte möglicherweise nicht gedacht sein, allerdings schafft Kurahashi-sensei durchaus für ein „Lesen zwischendurch“ zu überzeugen.

Entsprechend unser Fazit: Der vorliegende Einzelband richtet sich vornehmlich an Fans des Boys Love-Segments. Diesen wird mit An Invisible Scar sicherlich ein erwartungsgemäßes Werk angereicht. Aufgrund der vergleichsweise geringen Textmenge, währte jenes Vergnügen allerdings nur etwa dreißig Minuten in unserem Test. Extras liegen dem im April erschienen Band leider nicht bei.

Abschließend bedanken wir uns für die Zusammenarbeit mit der KAZÉ-Redaktion, welche das Belegexemplar für diesen Artikel zur Verfügung stellte.