Bezaubernder Zeichenstil: „Monstermäßig verknallt“ – Besprechung zu Band 02

Bezaubernder Zeichenstil: „Monstermäßig verknallt“ – Besprechung zu Band 02
OTOMEKAIJU CARAMELISE Vol. 2 © Spica Aoki 2019 / KADOKAWA CORPORATION

Anfang des Jahres, vor rund einem Monat, legten wir unseren Ersteindruck zu Spica Aokis Monstermäßig verknallt vor. Der Auftakt erweckte zwar Interesse, überzeugte uns allerdings nicht vollständig. Nun prüfen wir die direkte Fortsetzung auf ihre Güte – und legen unsere Gedanken zu dieser im Folgenden dar.

Ein Gesamtumfang von rund 190 Seiten ist geboten, davon insgesamt vier Farbseiten auf Hochglanzpapier. Die Innenseite des Frontcovers ist erneut mit einigen begrüßenden Worten der Autorin hinter dem Werk sowie ihrem bekannten Maskottchen, dem Stern, bedruckt. KAZÉ Manga empfiehlt den Titel einer Leserschaft ab 12 Jahren.

Jeder Band kostet hierzulande 7,00 Euro (D) in gedruckter Form. Eine digitale Fassung des Mangas ist außerdem über die Plattformen iTunes, Kobo und Amazon für 5,99 Euro pro Band erhältlich. Wie nun bekannt wurde, liegt dem dritten und somit bereits nächsten Band das ursprünglich für den ersten Band versprochene und zunächst auf unbestimmte Zeit verzögerte Extra bei.

Inhaltsbeschreibung:

Bereits seit sechzehn Jahren leidet Oberschülerin und Protagonistin Kuroe unter einer mysteriösen Genmutation. Diese löst bei beschleunigtem Herzschlag eine Verwandlung ihres Körpers aus. Je nach Art der Aufregung ist es so beispielsweise möglich, dass ihre ansonsten zierliche Hand plötzlich zu einer gepanzerten Pranke mutiert oder Stacheln auf ihrem Rücken zu wachsen beginnen. Diese Transformation bildet sich zurück, sobald sich ihre Herzfrequenz wieder normalisiert. 

Dieser körperliche Umstand brachte das Mädchen bereits in ihren jungen Jahren in eine unangenehme Situation. Aufgrund dieser vergangenen Ereignisse ist sie vorbelastet und hat sich in Folge in eine Art der Selbstisolation begeben. Innerhalb dieser hofft sie, dass Geheimnis um ihre Person aufrechterhalten zu können. Mittlerweile hat sie sich an die Einsamkeit ohne jegliche Bezugsperson gewöhnt. Ihre Klassenkameradinnen bezeichnen sie unterdessen aufgrund ihrer düsteren Ausstrahlung als „Psycho-Tante“.

Kuroe weiß sich damit zwar zu arrangieren, nicht aber der attraktive Arata, Mitschüler und Sitznachbar von ihr. Dieser heißt die Stimmung innerhalb der Klassengemeinschaft nicht gut und freundete sich daraufhin zuletzt mit der schüchternen Kuroe an. Rasant entwickelt sich die Beziehung zwischen den beiden Jugendlichen weiter – nun lädt Arata sie in das Destinyland ein, einen Vergnügungspark.

Promotion-Video zur Manga-Reihe aus Japan

Zögerlich nimmt Kuroe diese Einladung an – wissend, dass sich diese Gelegenheit womöglich nie wieder ergeben hätte. Allerdings bringt sie diese Nähe zu ihrem charismatischen Mitschüler in eine Zwickmühle: Denn in seiner Nähe kann sie ihren Herzschlag unmöglich konstant halten, aber ihn stets auf sicherer Distanz während dem ersten Date zu halten, führt bestimmt zu Missverständnissen …

Zeichenstil:

Das Highlight des zweiten Bandes ist – wie vermutet – die Bebilderung der Geschichte. Spica Aoki und ihre drei Hilfskräfte beweisen sowohl in Farbe als auch in schwarz-weiß besonderes Gespür für Illustrationen, die durch ihre inneliegende Niedlichkeit wie den allgemeinen Detailreichtum gefallen. Zugleich werden die seltenen spaßhaften Szenen passenderweise auf stimmige Weise mit vereinfachten Darstellungen abgebildet.

Obwohl es sich hinsichtlich der Charakterdesigns eindeutig um einen Shoujo-Titel handelt, wird dieser durch äußerst starke Kontraste in der Optik bereichert. Die verschiedenen Graustufen sowie der routinierte Gebrauch von Rasterfolien verleihen dem Werk den zuvor hervorgehobenen Detailreichtum. 

Actionreiche Szenen erhalten durch das großflächige Paneling eine besondere Erzähldynamik, die zusätzlich durch wohl platzierte Soundwords unterstützt wird. Letztere sind ausschließlich auf Deutsch abgedruckt – die japanischen Originalzeichen wurden entfernt und sind somit nicht Bestandteil der lokalisierten Veröffentlichung.

Neben dem oberhalb eingebundenen Manga-Trailer aus Japan bietet außerdem die deutschsprachige Leseprobe zum ersten Band einen guten Einblick in den beschriebenen Zeichenstil der Beasts of Abigaile- und Devil ★ Rock-Zeichnerin. Auf Twitter bietet die zuvor benannte Künstlerin hier ebenfalls regelmäßige Einblicke in ihre Arbeit. 

Storytelling:

Die Supernatural-Romance-Komödie knüpft unmittelbar an die Geschehnisse des Auftakts an und entwickelt die Handlung überwiegend aus der Perspektive von Protagonistin Kuroe weiter. Diese befindet sich in dem beschriebenen Zwiespalt – entweder Abstand zu Arata wahren und diesen somit ablehnend gegenüberzutreten oder sich diesem anzunähern und Gefahr laufen, die verborgene Gestalt zu enthüllen. Um diese Prämisse herum spielt der zweite Band.

OTOMEKAIJU CARAMELISE Vol. 2 © Spica Aoki 2019 / KADOKAWA CORPORATION

Außerdem wird die Vergangenheit von Kuroes Mutter weiter beleuchtet – bereits im ersten Band hinterließ diese einen suspekten Eindruck. In diesem Zusammenhang tritt außerdem eine neue Figur in die Geschichte ein, welche sicherlich den weiteren Verlauf entscheidend beeinflussen wird. Arata bleibt als Charakter dagegen schwierig zu greifen, zu oberflächlich wirkt die Darstellung seiner Gefühle.

Dieser Teil besteht aus sechs regulären Kapiteln sowie einem kurzen Bonuskapitel, das vermutlich exklusiv für die Taschenbuch-Veröffentlichung angefertigt wurde. Inhaltlich zeigt dieses auf vier Seiten einen Besuch Kuroes bei ihrer in Monster vernarrten Klassenkameradin Manatsu, die glaubt, in der Hauptfigur ein Medium zu Harugon, der verwandelten Kuroe, gefunden zu haben.

Fazit zum zweiten Band:

Inhaltlich entwickelt sich die Geschichte ohne besondere Überraschungen weiter. Zugleich verbleibt diese im Wesentlichen aber in den konzeptionellen Schienen anderer Vertreter des Shoujo-Segments. Markant ist hierbei sowohl eine gewisse Naivität der Charaktere als auch die genretypischen Missverständnisse. Dennoch unterhält der Manga das interessierte Publikum sicher gut – vornehmlich aufgrund der gelungen Visualisierung. Insbesondere die Fans von den anderen Werken von Spica Aoki sollten auch einen Blick in ihre neue Veröffentlichung wagen. 

Diesmal sind außerdem keine den Lesefluss unterbrechenden Fehler hinsichtlich der geltenden Rechtschreibung aufgefallen. Stattdessen entzückt die deutschsprachige Fassung erneut durch das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. In Anbetracht des Umfangs sowie den gebotenen Farbseiten und dem Innendruck erscheinen 7,00 Euro (D) preiswert.

Abschließend bedanken wir uns bei KAZÉ Manga für die unverbindliche Übersendung eines Belegexemplars.

Lucas Sebastian

Lucas Sebastian | Autor

Student der Medien- Kommunikationswissenschaften. Passionierter Fan asiatischer Populärkultur. Meint, dass thailändische Produktionen in den nächsten Jahren Europa erreichen wie begeistern werden. Auf Twitter unter @LucasISebastian privat zu finden.