Interview mit „My Genderless Boyfriend“-Mangaka Tamekou


Interview mit „My Genderless Boyfriend“-Mangaka Tamekou
GENDERLESS DANSHI NI AI SARETE IMASU. © 2018 by Tamekou / SHODENSHA PUBLISHING CO., LTD.

Passend zum Deutschland-Release von Tamekous Werk My Genderless Boyfriend (jap.: Genderless Danshi ni Ai sarete imasu.) stand uns die Sensei für ein umfangreiches Interview über das Werk zur Verfügung und beantwortete alle unsere Fragen.

Vielen Dank an dieser Stelle an Hayabusa, die das Interview für uns organisiert haben, als auch den japanischen Verlag Shodensha, die das Interview genehmigt haben. Ein großer Dank geht ebenfalls an Tamekou-sensei, für die Beantwortung der Fragen und die aufgebrachte Zeit. Nachfolgend werden wir Tamekou-sensei mit Tamekou und uns selbst mit MP abkürzen.


MP: Hallo Tamekou-sensei und vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview mit uns nehmen, um den deutschen Release von My Genderless Boyfriend zu feiern.

Tamekou: Ebenfalls danke für das Interview! Ich würde mich freuen, wenn mehr Leser meinen Manga durch dieses Interview kennenlernen. 

MP: Erinnern Sie sich noch, wie Sie erstmals in Kontakt mit Androgynität kamen und was Ihre ersten Eindrücke dazu waren? 

Tamekou: Auf das Wort bin ich vor ein oder zwei Jahren vor dem Serienstart von My Genderless Boyfriend aufmerksam geworden. Ich fand, dass das lediglich ein neues Wort sei. Da ich nicht gedacht habe, diese Thematik in einem Manga aufzugreifen, habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt gehabt. 

GENDERLESS DANSHI NI AI SARETE IMASU. © 2018 by Tamekou / SHODENSHA PUBLISHING CO., LTD.

MP: In Ihrem Manga ist der Fokus sehr stark auf Mode gelegt. Wie betreiben Sie Recherche hierfür?

Tamekou: Ich recherchiere hauptsächlich auf sozialen Netzwerken und checke meine Lieblingsartisten auf Instagram. Allerdings sammle ich auch über Youtube Informationen. 

MP: In dem Werk findet das Social Network Instagram wiederholt Erwähnung – beziehen Sie auch daher Inspiration? Gibt es gegebenenfalls bestimmte Profile und Hashtags, auf die Sie zurückgreifen?

Tamekou: Ja, die Nutzer, deren Fashion und Gesichter meinem Geschmack entsprechen, sind in meiner Checkliste. Des Weiteren versuche ich Trends oder etwas, was interessant scheint, aufzunehmen, auch wenn es nicht unbedingt meinem Geschmack entspricht.

MP: Wir interessieren uns sehr dafür, wie Sie an dem Werk arbeiten. Wie viel Zeit benötigen Sie dabei ungefähr für die unterschiedlichen Arbeitsschritte?

Tamekou: Für den Plot, also zur Erstellung der groben Erzählung sowie Dialog, dauert es etwa ein bis vier Tage. Bei diesem Prozess verbrenne ich die meisten Kalorien. Für das Storyboard, welches darauf basierend erstellt wird, benötige ich ein, zwei Tage. Da die Inhalte mit dem Plot meistens schon festgelegt sind, ist in diesem Abschnitt nicht mehr viel zu überlegen und es ist einfacher für mich. Dann folgt die Skizze, so werden drei bis sechs Seiten pro Tag bearbeitet, darunter auch die Outlines mit zwei bis fünf Seiten pro Tag. Schließlich brauche ich noch einen Tag zur Verfeinerung.

Ich habe stets eine Deadline, sodass dieser Arbeitsrhythmus in der finalen Phase eingehalten werden kann. 

GENDERLESS DANSHI NI AI SARETE IMASU. © 2018 by Tamekou / SHODENSHA PUBLISHING CO., LTD.

MP: Wie unterscheidet sich My Genderless Boyfriend zu Ihren bisherigen Werken?

Tamekou: Der Unterschied besteht darin, dass in der Geschichte nichts Unglückliches passiert. Bei der Erzählung achte ich darauf, keiner Figur zum Zweck eines Handlungshöhepunkts zu schaden.

Im Übrigen spielt in diesem Manga für mich zum ersten Mal eine Frau die Hauptrolle. Bis jetzt habe ich stets Boys-Love-Manga gezeichnet, also nur Männer.

GENDERLESS DANSHI NI AI SARETE IMASU. © 2018 by Tamekou / SHODENSHA PUBLISHING CO., LTD.

MP: Gibt es eine bestimmte Message, die Sie mit Ihrem Werk vermitteln möchten?

Tamekou: Ja, die habe ich! Ich vermeide aber lieber Genaues zu sagen, denn ich zeichne Manga mit der Einstellung, dass alles als ganz normal angesehen werden kann.

MP: Haben Sie bereits über das finale Kapitel ihrer aktuellen Arbeit nachgedacht und können Sie möglicherweise bereits den Umfang des Mangas abschätzen, den Sie gegenwärtig anstreben?

Tamekou: Ich denke nicht über die Zukunft nach. Ich zeichne den Inhalt sehr flexibel, so etwa „die Richtung klingt gut“ oder „Ich nehme das auf, weil das im Trend ist.“ Es gibt aber einen groben Verlauf, den ich weiterhin mit der Redaktion anstreben werde.

MP: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß und was fällt Ihnen eventuell etwas schwerer?

Tamekou: Das wäre wohl einen schönen Charakter zu zeichnen! Wimpern, Haare und Fingerspitzen, aber auch Dialog und Reaktion … Ich zeichne so, als würde ich bei den Lesern meinen Geschmack präsentieren wollen. Gleichzeitig überlege ich auch, wie ich das am besten umsetzen könnte. Das Schöne zu zeichnen, ist schwer. 

GENDERLESS DANSHI NI AI SARETE IMASU. © 2018 by Tamekou / SHODENSHA PUBLISHING CO., LTD. 

MP: Lesen Sie privat auch Manga und haben Sie eventuell Kollegen, die Sie inspirieren?

Tamekou: Da ich in letzter Zeit viel beschäftigt bin, lese ich meistens leicht lesbare Mangas. Ich merke aber, dass mir da der Input fehlt. Ich schaffe aber während meiner Arbeit höchstens Anime und Dramas laufen zu lassen. Einflüsse habe ich von den alten Shoujo-Mangas, insbesondere von Hakusensha.

MP: Haben Sie zum Abschluss noch ein paar Worte an Ihre Fans in Deutschland?

Tamekou: Die Handlung von My Genderless Boyfriend zeigt zwar nur den Alltag, bei dem ein Paar in Tokyo friedlich zusammen lebt. Meine Idee war aber, einen Manga zu zeichnen, den man auch lesen kann, wenn man müde ist und sich nicht mehr zu 100 % konzentrieren kann. Ich würde mich freuen, wenn die Leser in Deutschland die glücklichen Gefühle vermittelt bekommen. Und wenn in ihnen ein größeres Interesse für Japan erweckt würde, würde mich das noch fröhlicher machen. 

MP: Vielen Dank für das Interview Tamekou-sensei!

Tamekou: Es hat mir Spaß gemacht! Und danke, dass Sie bis zum Ende gelesen haben!

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