Review zu „Und jeden Tag liebe ich dich mehr“


Review zu „Und jeden Tag liebe ich dich mehr“
HIBI MO TSUMOREBA KOI TO NARU © 2018 by Shota Kon/HOME-SHA Inc.

Zuletzt haben wir euch hier den Abschlussband zu Anna Takamuras Drowning Into the Night genauer vorgestellt. Im selben Monat erschien mit dem Einzelband Und jeden Tag liebe ich dich mehr allerdings noch ein weiterer Boys-Love-Titel. Dabei handelt es sich um das Debüt-Werk von Mangaka Shota Kon. Wir haben uns die Veröffentlichung etwas genauer angeschaut.

Seit Anfang April ist das Taschenbuch zu einem Preis von 7,99 Euro (D) im Handel erhältlich. Der Gesamtumfang beträgt 192 Seiten. Zwar ist leider keine Farbseite enthalten, aber die beiden Cover-Innenseiten sind bedruckt – das ist keine alltägliche und daher durchaus besondere Aufmachung. Eine E-Book-Fassung wird zurzeit nicht angeboten.

Inhaltsbeschreibung

Oto und der zwei Jahre ältere Sora lernten sich als Grundschüler in den großen Sommerferien kennen. Anfangs war Oto ein sehr zurückgezogenes Kind, das offenbar keine Freunde hatte. Erst mit der Hilfe von Sora gelang es ihm, ein paar schöne Erinnerungen in einer für ihn sehr schwierigen Zeit zu machen. Ein Kuss auf den Mund stellt den Höhepunkt der ersten Begegnung dar.

Als die Schule wieder anfing, gingen beide getrennte Wege. Sora besucht mittlerweile die zwölfte Klasse und steht somit kurz vor seinem Abschluss. Gerade ist die Einschulungszeremonie für neue Oberschüler im Gange, da gesteht ihm ein dunkelhaariger Junge plötzlich seine Liebe – in aller Öffentlichkeit. Es dauert einen Moment bis Sora realisiert, dass es sich bei dem Unbekannten um Oto handelt.

Dieser ist neu an der Schule und extra zu seiner Oma gezogen, um mit Sora seine nie vergessene Kindheitsliebe wiederzusehen. Denn dieser hat ihm damals beim Abschied ein Wiedersehen versprochen – ein Versprechen, das Oto bis zum heutigen Tag sehr ernst nimmt. Obwohl sich Sora auf gewisse Weise geschmeichelt fühlt, ist ihm die Situation furchtbar unangenehm, weil er nicht glaubt, homosexuell zu sein. Vor allem möchte er die Geschehnisse aus der Vergangenheit am liebsten vergessen, zu peinlich ist ihm der Kuss.

HIBI MO TSUMOREBA KOI TO NARU © 2018 by Shota Kon/HOME-SHA Inc.

Dennoch lehnt es Sora nicht ab, als Oto bittet, auch in Zukunft mit ihm Zeit verbringen zu dürfen. In dieser Zeit bereitet sich der baldige Absolvent auf die immer näher rückenden Abschlussprüfungen vor und hat Gelegenheit, über seine Gefühle für den Freund aus Kindertagen nachzudenken. Und natürlich fühlt er sich langsam immer weiter zu diesem hingezogen …

Die Handlung wirkt möglicherweise sehr abgedroschen, die Umsetzung ist allerdings großartig. Viele verschiedene Aspekte werden behandelt, die Geschichte ist dabei am besten als Romance-Drama zu beschreiben, denn der Weg beider Figuren ist nicht frei von einigen Hindernissen.

Leider ist ein Band viel zu wenig für die Handlung von Und jeden Tag liebe ich dich mehr, einige Punkte werden zum Ende nicht mehr oder nur sehr bedingt thematisiert. Stattdessen beinhaltet der Einzelband nach den fünf Kapitel der Hauptgeschichte nur noch einen kurzen Epilog, der zehn Jahre in der Zukunft angesetzt ist und ein wenig pikanten Fanservice bereithält.

Darüber hinaus gefällt die Erzählweise jedoch. Innerhalb des Verlaufs werden verschiedene Zeitebenen wiedergegeben – hauptsächlich liegt der Fokus auf der Gegenwart, aber auch gemeinsame Vergangenheit der zwei Hauptfiguren wird immer wieder aufgegriffen. Nachdem die Ereignisse anfangs aus der Sicht von Sora verfolgt werden, findet später zudem Otos Perspektive Zuwendung.

Visualisierung

Der Zeichenstil ist einwandfrei. Kaum zu glauben, dass es sich bei Und jeden Tag liebe ich dich mehr um das Debüt-Werk von Magaka Shota Kon handeln soll. Die Linienführung ist nahezu perfekt, der Umgang mit Kontrasten und Rasterfolie ebenso. Ebenso gefällt, dass manchmal eigens angefertigte Hintergründe zu entdecken sind.

Am meisten gefallen die Charakterdesigns, die sicherlich ebenfalls zu dem sympathischen Gesamteindruck beitragen. Insbesondere die Augen sind sehr schön gestaltet. Mittels passender Chibi-Körper werden die vereinzelten Comedy-Elemente der Geschichte optisch hervorgehoben. Diese sind niedlich und trotz der Verniedlichung problemlos zuzuordnen.

Wie schon zuvor bereits angedeutet, enthält der Manga gegen Ende auch einige erotische Szenen. Diese sind hin und wieder mit einem kleinen weißen Strich zensiert, dennoch bleibt das gesamte Geschehen unverändert abgebildet und auch zu genießen. Denn die Darstellung ist durchaus attraktiv. Aufgrund jener Inhalte ist auch die Altersempfehlung ab 18 Jahren vergeben worden.

Viele der Sprechblasen sind reichlich mit Text befüllt. Obwohl die verwendete Schriftgröße teilweise etwas kleiner als vielleicht gewohnt ist, kann man die einzelnen Wörter noch relativ einfach lesen – man gewöhnt sich im Verlauf des Bandes auch dran. Aktuell steht leider keine Leseprobe zu dem Einzelband bereit. Im Handel ist der Manga eingeschweißt, sodass nicht hineingeschaut werden kann.

Fazit

Mit Und jeden Tag liebe ich dich mehr hat sich TOKYOPOP im Wesentlichen einen wunderbaren BL-Einzelband für den eigenen Katalog gesichert, der sowohl einsteigerfreundlich als auch ein wenig erotisch ist. Das Setting ist möglicherweise zwar von anderen Geschichten bekannt, aber die Umsetzung erfrischt durch ihre Vielschichtigkeit.

Sicherlich handelt es sich um einen der besten Boys-Love-Einzelbände, die in letzter Zeit auf Deutsch erschienen ist. Es ist wirklich sehr schade, dass sich keine Reihe daraus entwickelt hat. Der Manga erinnert im Feeling an Titel wie Blue, Clean und überzeugt uns durch viele gefühlvolle Momente, den sympathischen Haupt- und Neben-Cast an Figuren sowie durch den hervorragenden Zeichenstil. Auch weitere Werke von Mangaka Kon würden wir gerne lesen. 

HIBI MO TSUMOREBA KOI TO NARU © 2018 by Shota Kon/HOME-SHA Inc.

Lediglich die redaktionelle Bearbeitung des Titels weist einige Schwächen auf. Beispielsweise sind Randkommentare ohne Sternchen versehen oder doppelt im Band abgedruckt. Außerdem wirkt die Wortwahl stellenweise leider etwas unpassend oder grammatikalisch nicht einwandfrei, sodass man beim Lesen durchaus „stolpert“ – das ist sehr schade. Wenn man jedoch darüber hinwegsehen kann, sollte man sich den Manga als Boys-Love-Fan unbedingt genauer anschauen. Es lohnt sich, finden wir.

TOKYOPOP hat uns den Manga freundlicherweise als Rezensionsexemplar für diese Vorstellung zur Verfügung gestellt.

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