Manga-Wunsch #10: SHY

Sonntag, 6. September 2020, 16:55
Manga-Wunsch #10: SHY
SHY © 2019 by Bukimi Miki / © Akita Shoten Co., Ltd.

My Hero Academia ist einer der ganz großen Titel, sowohl in Japan, als auch in Deutschland. SHY bietet eine Alternative für all diejenigen, denen die Superhelden-Thematik zusagt, der Manga selbst aber nicht. Doch auch für die Fans des Werks von Kohei Horikoshi dürfte SHY interessant sein.

Was ist eigentlich SHY?

Gestartet am 1. August 2019 im Shounen-Champion-Magazin, hat der Manga von Autor Bukimi Miki gerade erst sein einjähriges Jubiläum gefeiert. SHY ist hierbei das Erstlingswerk Mikis, dessen Entwicklung als Künstler bis hin zu dem Stil, den er auch in SHY verwendet, über sein – inzwischen inaktives – pixiv nachverfolgt werden kann. Inzwischen teilt der Autor seine Illustrationen, die meistens Charaktere seines Mangas beinhalten, auf Twitter. Leider wurden noch keine Zahlen bezüglich der im Umlauf befindlichen Bände SHYs publik gemacht, auf den Erfolg des Titels kann man also keine eindeutigen Rückschlüsse ziehen. Wie bereits im Vorwort erwähnt, ist SHY genau wie My Hero Academia ein Superhelden-Manga. Unterschiede finden sich in vielerlei Hinsichten, u. a. auch in der Handlung:

In der Mitte des 21. Jahrhunderts steht die Welt am Abgrund. Ein dritter Weltkrieg scheint unausweichlich. Plötzlich taucht in jedem Land der Erde genau ein Mensch mit unglaublichen Kräften auf. Gemeinsam wenden diese „Helden“ das Unglück ab und kehren daraufhin in ihr Heimatland zurück, um sich überwiegend dort ihren Heldentätigkeiten zu widmen. Die frisch gebackene japanische Heldin Teru Momojiyama ist unfassbar schüchtern und wird damit ihrem Alias „Shy“ mehr als gerecht! Nach einer schiefgelaufenen Rettungsaktion zieht sich Teru aus der Öffentlichkeit zurück und muss von ihrer Freundin und Kollegin, der russischen Heldin „Spirits“, ermutigt werden, wieder als Heldin in Erscheinung zu treten. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn eine neue Gefahr droht die Herzen der Menschen einzunehmen…

SHY © 2019 by Bukimi Miki / © Akita Shoten Co., Ltd.

Warum möchte ich SHY?

SHY bietet mit einem hauptsächlich weiblichen Cast – einer Heldin mit Angststörung, ein paar Girls-Love-Tönen und Sequenzen, die so auch aus einem Slice-of-Life-Manga stammen könnten – einigen frischen Wind für das Battle-Shounen-Genre. Wenn Teru mit ihren weiblichen Co-Charakteren agiert, vergisst man gelegentlich tatsächlich, dass man einen Battle Shounen liest. Nicht, dass die Arcs zwischen der Action besonders lang wären, im Vergleich zum klassischen Battle Shounen scheinen sie jedoch prozentual mehr Zeit einzunehmen.

Der überwiegend weibliche Cast in Kombination mit Superkräften weckt ein wenig das Magical-Girl-Feeling, vor allem, da sich die Helden tatsächlich auch in ihre „Heldenform“ verwandeln. Passend dazu sind dem Magical-Girl-Genre die Girls-Love-Andeutungen ja auch nicht fremd und von diesen gibt es in SHY so einige. Ob wir schlussendlich wirklich eine lesbische Protagonistin in einem großen Shounen-Magazin sehen werden, bleibt abzuwarten.

Auch unabhängig von ihrer Sexualität ist Teru ein sehr interessanter Charakter. Ihre Schüchternheit und Furcht sind beinahe pathologisch – daher auch „Heldin mit Angststörung“ – und trotzdem ist sie bereit sich selbst für andere in Gefahr zu begeben. Doch sind Selbstzweifel und Selbstlosigkeit für Protagonisten ihrer Art keine Seltenheit. Hier lässt sich eine Parallele zu Deku, dem Helden aus My Hero Academia, ziehen, aber Bukimi Miki schafft es Terus Schwächen so zu balancieren, dass sie nicht ermüdend werden. Ein Kritikpunkt, den sich Deku öfters gefallen lassen muss und dass obwohl Terus Problematik wesentlich tiefgreifender zu sein scheint.

Man kommt bei SHY auch nicht darum umhin, über die Zeichnungen zu sprechen. Wer bereits einen Blick auf den verlinkten Twitteraccount Mikis geworfen hat, der wird den außergewöhnlichen Stil des Autors bereits entdeckt haben. Das Ganze kommt sehr sketchartig mit viel Schraffur, aber gleichzeitig auch starkem Linework und prägnantem Inking daher. Wer einen genaueren Blick auf einen der distinktesten Stile, den ich in den letzten Jahren gesehen habe, werfen möchte, der kann das hier mit der japanischen Leseprobe von Kapitel 01 tun.