Manga-Wunsch #12: Kimi wa Houkago Insomnia

Sonntag, 20. September 2020, 17:00
Manga-Wunsch #12: Kimi wa Houkago Insomnia
Kimi wa Houkago Insomnia © 2019 by Makoto Ojiro / SHOGAKUKAN

Wer hätte gedacht, dass es mal einen Manga über meine Teenagerjahre geben würde? Spaß beiseite, vielleicht kommt ja auch der neue Manga des Dagashi-Kashi-Autors KotoyamaYofukashi no Uta, noch im Manga-Wunsch.

Was ist eigentlich Kimi wa Houkago Insomnia?

Wenn man im Big-Comic-Spirits-Magazin neben Legenden wie Inio Asano und Naoki Urasawa veröffentlicht, dann bringt das eine gewisse Erwartungshaltung mit sich, die Autorin Makoto Ojiro seit Mai 2019 zu erfüllen scheint. Hierbei ist Kimi wa Houkago Insomnia nach Neko no Otera no Chion-san bereits der zweite Titel Ojiros in einem Magazin, das einige der bekanntesten Seinen-Manga aller Zeiten beherbergt(e). Häufig mit einem Fokus auf die Beziehung zwischen Junge und Mädchen – wobei das Mädchen häufig die „dominante“ Rolle einnimmt –, zeigt die Mangaka auch in ihrem momentanen Manga junge Liebe und das Erwachsenwerden:

Oberschüler Ganta Nakami kann nicht schlafen. Seine Schlafstörungen gehen so weit, dass sie sich auf seine Persönlichkeit auswirken und Ganta permanent kratzbürstig zu seinen Mitschülern ist, sollte er nicht genug geschlafen haben. Als er eines Tages – auf der Suche nach Materialien für ein Fest – das angeblich von Geistern heimgesuchte Observatorium betritt, wähnt er sich im siebten Himmel. Der Ort scheint einen idealen Schlafplatz für Nickerchen darzustellen. Blöd nur, dass er beim Erkunden des Raumes seine Mitschülerin Isaki Magari entdeckt, die ihm in seinem Plan bereits zuvorgekommen ist. Auch sie leidet unter Schlaflosigkeit, ist aber im Gegensatz zu ihm in der Schule sehr beliebt und hatte sich das Observatorium als ihres auserkoren. Nachdem die beiden feststellen, dass sie bis auf Weiteres im ihrem Paradies gefangen sind, schlafen sie kurzerhand Schulter an Schulter ein. Isaki beschließt, die Räumlichkeiten mit Ganta zu teilen und die zwei beginnen sich regelmäßig dort zu treffen.

Kimi wa Houkago Insomnia © 2019 by Makoto Ojiro / SHOGAKUKAN.

Warum möchte ich Kimi wa Houkago Insomnia?

Makoto Ojiro hat eine ganz besondere Fähigkeit. Sie ist Meisterin des „Show, don’t tell“ – oder zumindest ist sie mit ihrem aktuellen Werk zur Meisterin geworden. Diese Phrase hört man im Bezug auf Manga eher selten, so haben diese doch auch eine literarische Komponente, die mit der Künstlerischen auf einer Ebene steht. Dennoch halte ich die Verwendung hier für angebracht. Die Aussparung von überflüssigen Dialogen erlaubt es der Künstlerin mehr atmosphärische Panels in ihre Geschichte einzubauen. In ihrer Funktion als Autorin beschränkt sich Ojiro dagegen bloß auf das Notwendigste, um der Erzählung eine Form zu verleihen.

Die Mangaka schafft es mit ihrem Stil durchweg eine Vielzahl an Emotionen hervorzurufen, sowie den Drang, weiterzulesen, um zu erfahren, wie es sich nun mit der Story der zwei Schlaflosen verfährt. Im Grunde könnte ich Lobpreisungen auf fast alle Aspekte des Mangas singen: die authentischen und liebenswerten Charaktere, die Story und ihre Entwicklung, die Interaktionen zwischen den einzelnen Charakteren, die Designs, den Humor und, und, und. Einen „Kritikpunkt“ hätte ich dann aber doch noch: Obwohl Ojiro am Dialog spart, spiegelt sich das nicht in vermehrtem Detailreichtum in ihren Zeichnungen wieder. Häufig beschränkt sie sich auch hier auf Simples. Klar und ohne unnötige Schnörkel, aber eben auch ohne Schnörkel, die man eigentlich gerne hätte. Kimi wa Houkago Insomnia ist kein Young Bride’s Story was die Details angeht, aber das muss es auch gar nicht.

Kunst ist nicht zwangsläufig schlecht(er), nur weil sie wenig(er) detailliert ist, was Makoto Ojiro eindrucksvoll unter Beweis stellt. Ihre Kunst ist die treibende Kraft ihrer Geschichte und transportiert die Charaktere und all deren Empfindungen, Gedanken und Interaktionen an den Leser und das auf glaubhafte Art und Weise. Die Zeit, die Ganta und Isaki im Observatorium verbringen, genießen nicht bloß die beiden, sondern auch ich als Leser genieße sie. Wer sich von dieser Atmosphäre einen Eindruck verschaffen möchte, der kann hier das erste Kapitel kostenfrei auf Japanisch lesen.