Ersteindruck zu „There is no Future in This Love“
Hayabusa beschreibt sich selbst als Manga-Label für besondere (Liebes-)Geschichten. Eine solche verspricht der Zweiteiler There is no Future in This Love, deren Auftakt Ende Juni auf Deutsch erschienen ist. Worum es in der kurzen Reihe geht und inwiefern wir das Lesen für empfehlenswert halten, ist Thema der nachfolgenden Besprechung.
Hierzulande wird das Werk im Großformat herausgegeben. Die Cover-Außenseite ist stellenweise mit einem reflektierendem Spotlack veredelt. Im Gesamtumfang von rund 180 Seiten ist darüber hinaus eine auf mattes Papier gedruckte Farbseite enthalten. Für die gedruckte Ausgabe ist ein Preis von 10,00 € angesetzt. In dieser liegt in Erstauflage zudem ein Print bei. Alternativ gibt es für 7,99 € das E-Book.
Inhaltsbeschreibung
Die Geschichte ist im Tokyo der Achtziger Jahre angesiedelt. Yuji ist in einer gut situierten Familie aufgewachsen und hat augenscheinlich alles, was man sich nur wünschen könnte – sowohl ein eigenes Apartment als auch einen Studienplatz. Einen Nebenjob braucht er nicht. Die Kommilitoninnen an der Universität schätzen Yujis hübsches Gesicht und zurückhaltende Art.
Innerlich sieht es in Yuji aber ganz anders aus. Yuji ist todunglücklich und kann mit niemandem darüber reden. Als Yuji als Kind den roten Schulranzen der älteren Schwester testweise aufgesetzt hat, hat diese Yuji als eklig bezeichnet. Diese Form der Herabwürdigung, diese Reaktion auf die instinktive Neugier, sitzt Yuji noch immer in den Knochen. Doch um was genau geht es?
Nun, wenn Yuji in den Spiegel schaut, empfindet Yuji puren Ekel. Der männliche Körper im Spiegelbild ist nicht mit dem Inneren Yujis vereinbar. Yuji fühlt sich in einem falschen Körper geboren. Die immer weiter wachsenden Bartstoppeln und der kantige Körperbau sind nichts, womit sich Yuji identifizieren kann und möchte.
Im Zuge der finalen Phase der körperlichen Reifung wird Yuji immer mehr bewusst, dass dies kein angenehmes Leben ist und wird. Yujis ältere Schwester, die eines Abends spontan vorbeikommt und in der Wohnung eine Tasche unterstellt, gibt den Startschuss zum Ausbruch aus dem Gefühl der Gefangenheit. In dieser Tasche befindet sich ein Kostüm für die Arbeit, bestehend aus Kleid und Perücke.
Yuji kann nicht widerstehen und kleidet sich neu ein – und fühlt sich das erste Mal etwas wohl im eigenen Körper. Der erste Band beinhaltet sowohl die ersten Entwicklungen dahingehen als auch Yujis romantische Gefühle gegenüber einem Kommilitonen. Außerdem wird eine als wenig feminin bezeichnete Mitstudentin zwischenzeitlich in den Fokus gerückt. Auch diese fühlt sich von gesellschaftlichen Normen in ihrer persönlichen Entfaltung eingeschränkt.
Der Auftakt führt gefühlvoll in das Thema der Selbstfindung ein und greift dabei auch verschiedene weitere Aspekte auf. Insbesondere das Setting der 1980er erscheint in diesem Zusammenhang sehr interessant – im vorliegenden Auftakt kommt diesem leider keine signifikante Relevanz zu. Dennoch gefällt der bisherige Ansatz zur Aufarbeitung jener Thematiken.
Visualisierung
Mit feinen Linien hat Suwaru Koko die verschiedenen Figuren inzensiert. Einerseits wird dadurch eine zarte, beinah zerbrechliche, Atmosphäre aufgebaut, andererseits betont dies geschickt den Körperbau Yujis – insbesondere beim Zeigen freier Haut. Der Blick der Leserschaft wird bewusst gesteuert, Yujis Leiden dadurch auch visuell hervorgehoben.
Um den Zeichnungen eine gewisse Struktur zu verleihen, wurde unter anderem auf Rasterfolie zurückgegriffen. Verschiede Grauabstufungen verleihen der Bebilderung darüber hinaus die nötigen Kontraste. Die Charakterdesigns wie auch der Stil im Allgemeinen sind sehr modern gehalten. Dadurch ist die Hürde zum Reinkommen in die Erzählung sehr niedrig angesetzt. Quasi niemand wird durch die Art der Visualisierung, die einen besonderen Fokus auf die Mimik legt, per se ausgeschlossen.
Wer selbst einmal in das Innere des großformatigen Softcover-Taschenbuchs schauen möchte, kann einen Blick in die kostenfreie Leseprobe werfen. Diese ist hier von dem Hamburger Herausgeber hinterlegt. Damit kann das gesamte erste Kapitel gelesen werden. Im Handel vor Ort ist es in der Regel nicht möglich, in das Innere hineinzuschauen, da die Erstauflage wegen dem enthaltenen Extra verschweißt ist.
Fazit
Der Auftakt von There is no Future in This Love führt zunächst in Yujis Gefühle ein und leitet anschließend in eine gesamtheitlichere Betrachtung der Themen Selbstwahrnehmung, Identität und Sexualität über. Letzteres ist dabei aber ein Aspekt, der keineswegs im unmittelbaren Mittelpunkt steht. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht, der eigenen Identität und gesellschaftlich diktierte Rollenbilder sind der wesentliche Kern der Geschichte.
Queere Menschen können und werden das mitfühlen, andere werden dagegen aufgeklärt, sofern noch nicht geschehend und sofern sie sich dahingehend für eine Art Selbstbildung öffnen. Das 21. Jahrhundert sollte das Zeitalter der Offenheit und des Verständnisses sein – dieser Titel leistet innerhalb des Mediums Manga einen guten Beitrag dazu und gliedert sich damit zugleich in Reihe mit Werken wie Wer bist du zur blauen Stunde? und Der Mann meines Bruders ein.
Allerdings, und das ist gleichermaßen anzumerken, zählt There is no Future in This Love lediglich zwei Bände. Trotz der im ersten Band vorgelegten Dynamik lässt dies vermuten, dass bei der weiteren Aufarbeitung mit Abstrichen zu rechnen ist. Doch ist auch diese Art Anfang, unserer Meinung nach, als wertvoll und unterstützenswert zu erachten.
Besonders gut gefällt dabei, dass Bingo Morihashi und Suwaru Koko nicht den moralischen Zeigefinger heben und vorschreiben zu gedenken, wie die Leser:innen mit den Inhalten zu verfahren hat. Es obliegt den Einzelnen. Wir sind der Überzeugung, dass die 10,00 beziehungsweise 7,99 € für die deutschsprachige Ausgabe ein angemessener Preis für das Gebotene sind.
Abschließend bedanken wir uns herzlich beim Team um Hayabusa für die unverbindliche Zurverfügungstellung eines Belegexemplars.




