Kein bloßer Cover-Kauf: Eine Review zu „Wie das Salz der See“

Sonntag, 13. September 2020, 12:10
Kein bloßer Cover-Kauf: Eine Review zu „Wie das Salz der See“
© Unohana/libre

Boys-Love-Fans werden durch KAZÉ Manga in letzter Zeit durch zahlreiche entsprechende Titel verwöhnt. Nachdem vergangenen Monat Der Geschmack von Glück und An Invisible Scar von uns besprochen wurde, möchten wir uns diesmal der August-Novität namens Wie das Salz der See widmen. Der Titel gefällt optisch vor allem durch das Cover – doch kann der Inhalt mithalten? Wir haben es geprüft und fassen im Folgenden zusammen.

Wie eingangs erwähnt, ist der Einzelband bereits seit Anfang August auf Deutsch erhältlich. Gut sortierte Händler sollten zum aktuellen Zeitpunkt noch ein paar Exemplare des Werks von UNOHANA vorrätig haben. Ansonsten kann unkompliziert ein Exemplar für dich in jeder Buchhandlung bestellt werden. Das vorliegende Buch beinhaltet eine Handlung, die in fünf Kapiteln sowie einem abschließenden Epilog über 202 Seiten hinweg erzählt wird. 

Diese Gesamtseitenanzahl umfasst zudem eine doppelseitig bedruckte Hochglanz-Farbseite mit einem äußerst hübschen Motiv, das die beiden Protagonisten samt rot-weiß-gemustertem Kater bei Nacht vor dem Meer stehend abbildet. Eine Cover-Veredelung oder ähnliches wurde nicht vorgenommen. Ebenso ist kein Extra enthalten. Der Verlag empfiehlt seiner Leserschaft den BL-Manga ab 16 Jahren.

Preislich sind standardmäßig 6,95 Euro (D) beziehungsweise 7,20 Euro (A) angesetzt. Das E-Book ist bereits für 4,99 Euro zu erwerben.

Handlung

Bereits der Titel des Einzelbandes gibt einen Hinweis auf das ungefähre Setting der Geschichte. Dieses ist in einer Küstenregion angesiedelt. Dort ist der mittlerweile 30 Jahre alte Naoki Besitzer einer kleinen Bar. In dieser arbeitet der groß gewachsene Student Ryuta nun bereits zum vierten Mal in fünf Jahren. Ursprünglich plante er, dass jener Sommer zugleich sein letztes Mal hinter dem Tresen sein wird. 

Denn seit Beginn seiner Tätigkeit vor fünf Jahren ist er in den Besitzer der Kneipe heimlich verliebt. Eigentlich hat er mit der Sache bereits abgeschlossen, denn lebte der langhaarige Naoki die vergangenen Jahre mit einer Frau namens Hana in einer Beziehung. Entsprechend versprach Ryuta sich selbst, seine Liebe für den älteren Mann aufzugeben und ihn glücklich mit seiner Freundin leben zu lassen.

© Unohana/libre

Nachdem er allerdings ein Jahr als Austausch-Student in Australien war und erst im fünften Jahr seit dem gegenseitigen Kennenlernen wieder in die überschaubare Ortschaft zurückkehrt, muss er feststellen, dass Hana nicht mehr da ist. Naoki erklärt, dass er von ihr verlassen wurde – plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung. Lediglich der von ihr aufgelesene Kater sowie ein Gefühl von Einsamkeit ist ihm geblieben.

Während Naoki noch immer an seiner ehemaligen Freundin zu hängen scheint, vernimmt auch Ryuta dessen Gefühle. Er spürt, dass die Gedanken seines zehn Jahre älteren Arbeitgebers noch immer um diese Frau kreisen. Allerdings brodeln aufgrund dieser Wendung seine eigentlich bereits verbannten Gefühle ebenfalls wieder hoch – gerne möchte er Naoki für sich gewinnen, sich um ihn kümmern.

Schließlich fasst er den Mut, seine Zuneigung zu formulieren. Wie wird der erwachsene Kneipier auf das Liebesgeständnis des jüngeren Mannes reagieren? Diese Frage beantwortet der vorliegende Einzelband in seiner vollen Länge. Andere etwaige Kurzgeschichten enthält Wie das Salz der See von UNOHARA nicht. Somit ist der Geschichte potenziell ausreichend Raum zur Entwicklung geboten. 

Der beigefügte Epilog ist zeitlich einige Jahre nach den Ereignissen der fünf im Fokus stehenden Kapitel platziert. In Kürze behandelt dieser die Zukunft der beiden Figuren. Insgesamt ist der Leserschaft eine solide Handlung geboten, die sicherlich nicht dem gewohnten Durchschnitt entspricht und insbesondere durch ihre Kombination aus Ernsthaftigkeit und Witz überzeugt. Details hierzu im Folgenden. 

Zeichenstil

Auch hinsichtlich der Visualisierung kann der Manga dem ersten positiven Eindruck durch das Cover durchaus gerecht werden. Zwar fehlt es an ausgearbeiteten Hintergründen innerhalb der Geschichte, doch gefallen die Seiten durch ihre strukturierte wie abwechslungsreiche Panel-Aufteilung. Außerdem sind die hübschen Charakterdesigns lobend hervorzuheben. Diese entsprechen exakt dem Umschlag-Design. 

Neben den Gesichtern von Ryuta und Naoki sind auch deren Körper ansehnlich dargestellt. Ein gewisser unerwarteter Grad Männlichkeit ist durchaus enthalten, sodass sich stückweise von bekannten wie häufig kritisierten androgynen Präsentationen durch andere BL-Mangaka abgewendet wird. Auch die intimen Szenen zwischen beiden Figuren erscheinen überraschend ästhetisch wie vielfältig. Diese sind entsprechend der Altersempfehlung von 16 Jahren gehalten – primäre Geschlechtsorgane mit einer weißen Fläche in selbiger Form zensiert.

Eine offizielle Leseprobe zum Titel findest du hier. Zusätzlich bietet die gedruckte Ausgabe der Manga! Manga! – KAZÉ Manga Preview – Frühjahr/Sommer 2020 Einblick in das Werk. Diese Verlagsvorschau ist seit dem 2. April kostenlos bei diversen Händlern zu erhalten. 

Storytelling

Obwohl die Geschichte anfangs relativ bedrückend wirkt, deprimiert sie nicht. Einerseits erfreut die Entwicklung der beiden Protagonisten, andererseits liegt den Dialogen zwischen diesen ein besonderer Humor inne, den es unbedingt zu erfassen gilt. Dennoch reist der eher melancholische Tenor der Handlung nicht vollständig ab, da besagter Witz nur sehr gering dosiert Verwendung findet – es handelt sich nicht um eine Comedy-, aber sicherlich um eine Drama-Publikation. Das Thema des Altersunterschied wird angeschnitten, aber nur oberflächlich behandelt. Nach dem Lesen hat sich jedoch dahingehend kein Bedarf nach weiterer Aufmerksamkeit dieses Aspekt aufgetan.

Nachlässig behandelt wirkt Ryutas jüngerer Bruder, der zwar Erwähnung findet, aber keinerlei Relevanz in diesem Manga genießt. Negativ fiel zudem auf, dass die Sexualität der Figuren gänzlich übergangen wird. Ob es sich bei Naoki beispielsweise um einen bisexuellen oder homosexuellen Charakter handelt, bleibt auch nach Abschluss des Einzelbandes unbeantwortet. Das ist schade. 

Folglich thematisieren UNOHANA auch nicht, inwiefern die beiden Männer gegebenenfalls mit externen Schwierigkeiten in ihrer potenziellen Beziehung konfrontiert sind beziehungsweise werden. Dass Naoki über das von Ryuta erhaltene Liebesgeständnis frei erzählt, irritierte uns ebenfalls beim Lesen. So könnte man annehmen, dass dieses intime Ereignis der Privatsphäre unterliegt – insbesondere aufgrund der ausgedrückten Zuneigung gegenüber dem eigenen Geschlecht. Der Umgang mit der Sexualität ist folglich nicht Bestandteil des Mangas.

Hinsichtlich der Häufigkeit und dem Umfang von erotischen Szenen ist allerdings keine Kritik abzuleisten. Es ist selten, dass ein derartiges Gleichgewicht zwischen Handlung und Erotik geboten ist. Hier ist dem Manga kein triftiger Grund zur Beschwerde anzukreiden. Wenngleich also Raum für Verbesserungen identifiziert wurde, ist zumindest eine häufige Schwäche ähnlicher Werke erfreulicherweise nicht gegeben.

Fazit

Zusammenfassend ist unser Urteil also überwiegend positiv: Die Geschichte und deren zeichnerische Verbildlichung sind dem Durchschnitt überlegen. Lediglich in Bezug auf die Erzählweise ist sicherlich Vermögen zur Verbesserung zu erkennen. Wenn dich die Erörterung der Sexualität der Charaktere in anderen BL-Manga allerdings stört, könnte genau dieser Aspekt dir imponieren. 

Selbstverständlich ist auch hier dem Einzelband als Format ein gewisses Maximum der Möglichkeiten auferlegt. Dennoch nutzt UNOHANA den gebotenen Raum gut aus. Die berufliche Erfahrung ist in Wie das Salz der See definitiv zu erkennen. Wie dem Nachwort des Buches zu entnehmen ist, handelt es sich hierbei um das bereits elfte Taschenbuch des Künstler-Duos. Der vorliegende Titel gibt sicherlich ein gutes Debüt für Deutschland ab, das wir Boys-Love-Fans hierzulande überwiegend empfehlen möchten. 

© Unohana/libre

Der benannte Manga ist ein solides Werk, das sowohl Einsteigern als auch Liebhabern des Genres der sich liebenden Männer gefallen könnte. Aufgrund der leicht melancholischen Handlung sowie den wirklich sehr ansprechenden Darstellungen der sexuellen Akte möchten wir Wie das Salz der See zudem einen Wiederlesenswert bescheinigen. 

Abschließend bedanken wir uns herzlich bei KAZÉ Manga für das Zurverfügungstellen einer Kopie für diese Review. Unserer Leserschaft können wir bereits versprechen, dass noch ein weiterer Boys-Love-Manga aus diesem Monat auf unserer Webseite vorgestellt wird.