Review zu „Blade of the Immortal – Perfect Edition“, Band 01

Mittwoch, 16. September 2020, 13:15
Review zu „Blade of the Immortal – Perfect Edition“, Band 01
Blade of the Immortal © Hiroaki Samura / Kodansha Ltd.

25. Juni 1993 – das erste Kapitel von Hiroaki Samuras Action-Spektakel Blade of the Immortal erschien in Kodanshas Afternoon-Magazin. Es sollte fast 20 Jahre dauern, bis der Manga abgeschlossen sein wird. Mittlerweile sind fast acht Jahre seit dem Ende der Serie vergangen, doch noch heute spricht man über den Titel.

Bereits 2002 traute sich Egmont Manga an die Veröffentlichung der Reihe. Bis zum Jahre 2013 publizierte der Verlag alle 30 Bände, die mittlerweile nur noch schwer zu finden sind. Im März kam schließlich die erlösende Meldung: Manga Cult lizenzierte Blade of the Immortal und legt den Manga als 2-in-1-Perfect-Edition mit Schutzumschlag neu auf.

Blade of the Immortal © Hiroaki Samura / Kodansha Ltd.

Und nun ist es fast so weit, denn am 1. Oktober ist offizieller Verkaufsstart des ersten Bandes! Manga Cult stellte uns freundlicherweise vorab ein Exemplar zur Verfügung, um euch zu berichten, ob die Neuauflage einen Blick wert ist!

Aufmachung

Ein wichtiger Punkt einer Sammlerausgabe ist die Aufmachung. Diese fällt bei Blade of the Immortal – Perfect Edition recht hochwertig aus. Die Größe entspricht typisch für Manga Cult 14,00 cm x 21,00 cm. Demnach reiht sich der Manga problemlos neben anderen Ausgaben des Verlags ein. Doch viel auffallender ist der Umschlag, der um den Manga liegt. Dieser fühlt sich äußerst wertig an und hat eine markante Struktur, die es in dieser Form noch bei keiner deutschen Mangaveröffentlichung gab. Unterhalb des sehr stabilen Umschlags kommt das Cover ohne Text zum Vorschein. Entsprechend hat man hier die Möglichkeit, Samuras Zeichnungen komplett unbeschnitten zu begutachten. Selbiges gilt auch für die Rückseite. Diese ist sogar mit Umschlag recht sauber gehalten, da man den Klappentext auf eine nach innen geschlagene Seite druckte.

Die Vorderseite | Blade of the Immortal © Hiroaki Samura / Kodansha Ltd.

Das innere Papier ist sehr weiß und glatt. Da Blade of the Immortal in derselben Druckerei wie beispielsweise BLAME! Master Edition gedruckt wurde, ist anzunehmen, dass es sich um dasselbe Papier handelt. Leider erhält die Ausgabe keine regulären Farbseiten, wie man es eventuell von anderen Neuauflagen gewohnt ist. Jedoch baute der Verlag eine kleine Artgalerie am Ende des Bandes ein, die vier Cover- und Kapitelillustrationen beinhaltet. Neben der Artgalerie findet sich auch ein kleiner redaktioneller Beitrag zum Thema Manji. Denn diese sind unzensiert im Manga vorzufinden. Lediglich das Manji auf dem Cover tauschte man aus.

Der Buchrücken und die Rückseite | Blade of the Immortal © Hiroaki Samura / Kodansha Ltd.

Die Bildqualität ist in dieser Ausgabe auf einem sehr hohen Niveau. Dies ist wohl der hohen Druckqualität und dem großen Format des Buches zuzuschreiben. Man erkennt selbst feine Linien und Striche, wodurch sich Samuras Artwork in vollem Umfang begutachten lässt.

Eine Nahaufnahme des Umschlags | Blade of the Immortal © Hiroaki Samura / Kodansha Ltd.

Die originalen Soundwörter blieben zum Großteil unberührt. Lediglich kleinere Lautmalereien wurden komplett ersetzt. Dies sieht zum Großteil sehr gut aus, nur an einigen Stellen traf man den Original-Stil nicht ganz. Das passierte meistens, wenn Samura seine Soundwörter sehr sanft schraffiert hat. Dagegen wirken die dunklen, deutschen Soundwörter etwas fehl am Platz. Leider schlichen sich auch ein paar kleine Text-Fehler ein. So fehlt an einer Stelle der Inhalt einer Sprechblase. Eine geringe Anzahl an Flüchtigkeitsfehlern wie die Dopplung eines Wortes sind ebenfalls vorzufinden. 

Das Buch ohne Umschlag | Blade of the Immortal © Hiroaki Samura / Kodansha Ltd.

Handlung

Manji ist ein Samurai, der von einer 800-jährigen alten Dame namens Yaobikuni die sogenannten Blutwürmer eingeflößt bekam und somit unsterblich wurde. Mit dieser Fähigkeit schwor er, 1000 Verbrecher hinzurichten. Damit möchte er seine früheren Vergehen wiedergutmachen, die er als Samurai unter Horii Shigenobu begang. Dieser war korrupt und ließ Manji hundert unschuldige Menschen töten. Als er dies herausfand, brachte er seinen Herrn um und wurde somit zum Ziel der Polizei. Zwei Jahre nach der Tat begegnete Manji dem Polizisten Tatsumasa Saito, mit dem er in einen Kampf geriet. Was er jedoch nicht wusste: Saito ist der Ehemann seiner Schwester Machi. Diese tauchte plötzlich auf und musste mit ansehen, wie Manji ihren Mann tötete. Daran zerbrach seine Schwester, die seit diesem Ereignis auf den geistigen Stand eines Kleinkindes zurückfiel.

Ab diesem Zeitpunkt tötet Manji auf eigene Faust Sträflinge. So kam es dazu, dass er auf einen falschen Priester namens Gyobutsu Johnny trifft, der potenziell mit Kopfgeld versehene Verbrecher hinterrücks erschoss, nachdem er ihnen die Beichte abnahm. Doch als dieser sich Manji vornimmt, rechnet er nicht damit, dass sein Gegenüber unsterblich ist. Manji bringt den falschen Priester um und kann somit erneut eine „gute Tat“ verbuchen. Was er allerdings nicht wusste, ist, dass Johnnys Bruder, Shido Hasiyasu, der Anführer der Samurai-Miliz Shinsengumi war. Shido entführt Manjis Schwester und konfrontiert ihn mitsamt seiner Gefolgschaft. Dabei töten sie Machi, woraufhin Manji alle beteiligten niedermetzelt.

Nach diesem Vorfall streift Manji als herrenloser Samurai durch Japan, doch eines Tages begegnet er Rin, einem 16-jährigen Mädchen, dessen Vater von der Itto-Ryu-Schwertschule unter der Führung von Anotsu Kagehisa getötet wurde, nachdem dieser es sich zur Aufgabe machte, alle Dojos in Japan zu übernehmen. Rin schwor Rache und bekommt von der 800-jährigen alten Dame die Information, dass es einen Samurai gibt, der schwor, 1000 Verbrecher umzubringen, um seine Schuld zu begleichen. Somit schließen sich Manji und Rin zusammen, um Anotsu Kagehisa und die Itto-Ryu-Schwertschule zu vernichten und damit das Vergehen zu rächen.

Die Story wird anfangs unchronologisch erzählt. Man wird direkt ins Geschehen geworfen. Obwohl zu Beginn einige Fragezeichen aufkommen, sollte man spätestens am Ende des ersten Acts – so werden die Kapitel in Blade of the Immortal benannt – völlig in die Story eintauchen können. Danach begleitet man die Erlebnisse von Rin und Manji, die besonders in den ersten Kapiteln stark an das Villain-of-the-week-Prinzip erinnern. Doch lernt man während dieser Phase Stück für Stück die Protagonisten und Antagonisten, sowie deren Hintergründe und Motivationen kennen, wodurch das Werk immer mehr an Tiefe gewinnt. Jedes Handeln wird begründet. Somit wirkt der Manga nicht wie eine Ausrede, coole Samurai-Kämpfe zu zeigen, sondern wie ein gut durchdachtes Werk.

Zeichnungen

Mit viel Liebe zum Detail und Geschick schraffiert Samura oft Charaktere und Hintergründe mit dem Bleistift – teilweise verzichtet er dafür komplett auf Rasterfolie. Alleine durch die Intensität des Stifts reguliert er in solchen Fällen die Kontraste. Dies wechselt stetig mit einem etwas simpleren Stil, in welchem er die Charaktere mit kräftigen und kantigen Konturen zeichnet. Dieser ist nicht ganz so überzeugend wie sein detaillierter Stil, weiß aber dennoch zu gefallen. Besonders in Kämpfen wirkt jedes Panel sehr dynamisch. Lediglich in einer Handvoll Szenen sieht das Ganze etwas zu skizzenhaft aus, was den Flow ein wenig bremst. Kämpfe rundet der Mangaka gerne mit großen Artworks ab, die sich je nach Gegner über eine Einzel- oder Doppelseite erstrecken. Diese sind oftmals in seinem Bleistift-Stil gehalten und entsprechend mit sehr vielen Details versehen. Doppelseiten-Artworks werden auch hin und wieder mit Rahmen versehen, sodass man fast meinen könnte, dass es sich hierbei um separate Illustrationen handelt.

Der Detailgrad der Hintergründe variiert von Panel zu Panel. Wenn es atmosphärisch notwendig ist, kreiert Samura teils akribisch ausgearbeitete Szenerien. Diese kommen nun in der Neuausgabe sehr gut zur Geltung. Gebäude sind ebenfalls sehr detailliert ausgearbeitet, was den Gesamtstil des Mangakas sehr gut abrundet.

Ein Video des Zeichners, in dem er den Hauptcharakter Manji illustriert:

Fazit

Blade of the Immortal ist ein sehr mitreißender Seinen-Titel, der sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch überzeugen kann. Samura hat von Anfang an eine feste Vision, die er Stück für Stück in seinem Werk umsetzt. Das von Beginn an gesetzte Ziel des Mangas schürt die Spannung und verursacht bei der Leserschaft den Drang, weiter am Ball zu bleiben. Da ich bereits die gesamte Serie in der alten Ausgabe gelesen habe, kann ich bereits hier vorwegnehmen, dass die Serie ein rundes und befriedigendes Ende hat, was sicherlich für den ein oder anderen ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung darstellt.

Auch die Aufmachung weiß zu überzeugen. Man sollte natürlich bedenken, dass es sich hierbei um eine Sammlerausgabe handelt. Der Preis von 25,00 Euro ist definitiv gerechtfertigt und man merkt, dass sehr viel Herzblut in die Veröffentlichung geflossen ist.

Leider haben sich einige Fehlerchen in die Perfect Edition eingeschlichen. Doch über diese Punkte lässt sich recht schnell hinwegsehen, wenn man die aufwendig überarbeitete Übersetzung liest, die sich in vielerlei Hinsicht verbessert hat.

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