Kurzgeschichten von Yoko Maki: Märchenwelten – Review

Dienstag, 13. Oktober 2020, 17:51
Kurzgeschichten von Yoko Maki: Märchenwelten – Review
© 2015 by Yoko Maki / SHUEISHA Inc., Tokyo © TOYKOPOP GmbH. Hamburg 2020

TOKYOPOP veröffentlichte Anfang Oktober den bereits achten Band der I LOVE SHOJO Short Story Collection, einer Anthologie-Reihe, die Kurzgeschichtenbände verschiedener Künstler*innen unter einem Label zusammenführt. Mit Märchenwelten legt Yoko Maki einen ersten Beitrag zu dieser Zusammenstellung vor. Die Autorin und Zeichnerin ist beispielsweise für Sparkly Lion Boy bekannt. 

Der vorliegende Sammelband umfasst bei einer Gesamtseitenzahl von 320 sieben Kurzgeschichten. Wenn du Yoko Maki und ihre Arbeiten bereits seit längerem verfolgst, werden dir fünf der Geschichten vermutlich bereits bekannt sein. So veröffentlichte TOKYOPOP diese schon vor über elf Jahren unter dem Titel 14R auf Deutsch. Der Einzelband ist mittlerweile verlagsvergriffen. 

Neben zwei neuen Kapiteln und einem überarbeiteten Arrangement der Inhalte, wartet Märchenwelten zudem mit einem neuen Coverdesign auf. Die Gestaltung des Buchrückens gliedert sich in die bisherigen Teile der eingangs benannten Fassung ein. Der Einzelband enthält zudem einige Seiten an Nachwort der professionellen Mangaka, die in 14R nicht enthalten sind. Jedoch sind umgekehrt Kommentare zur Erstveröffentlichung nicht in Märchenwelten beinhaltet. Dies ist auf die japanische Ausgabe von diesem Band zurückzuführen, der dies wohl identisch gehandhabt hat.  

Inhaltsbeschreibung

Wie bereits erwähnt, erwarten dich mit dieser Kurzgeschichtensammlung sieben Stories aus der Feder von Romantica Clock-Autorin Yoko Maki. Mit »Hörst du mich, mein Prinz?« ist nicht nur die Grundlage für das Coverdesign, sondern auch die erste Episode von diesem Band gegeben. In 14R war diese nicht enthalten. Inhaltlich stellt dieses Kapitel Protagonistin Ann in den Vordergrund. Bereits seit mehreren Monaten beobachtet sie aus der Ferne einen Jungen, der an ihrer Schule als der Prinz bezeichnet wird. Seine blonden Haare und das freundliche Auftreten scheinen ihm zu seiner Popularität verholfen zu haben. Für Ann ist der Schüler namens Makoto allerdings unerreichbar.

Nicht nur, dass sie noch nie miteinander gesprochen haben, sondern auch der Fakt, dass er seit Jahren eine Freundin hat, lassen Anns Hoffnung auf den attraktiven Jungen auf ein Minimum schrumpfen. Als sich die beiden jedoch zufällig im Krankenzimmer über den Weg laufen, geschieht das Unmögliche: Makoto nimmt von ihr Notiz – doch wird diese Begegnung auch die Beziehung zueinander nachhaltig beeinflussen?

Die zweite Kurzgeschichte trägt die einfache Bezeichnung Fräulein Yuri. Als jenes titelgebende Mädchen neu an Manamis Schule kommt, ist diese zunächst allein. Doch das scheint sie gar nicht zu stören. Als vermeintlich beliebteste Schülerin wird Manami die Aufgabe zu Teil, das neue Klassenmitglied anzusprechen. Mit dieser Begegnung wandelt sich das bisher fröhliche Leben von ihr … 

© 2015 by Yoko Maki / SHUEISHA Inc., Tokyo © TOYKOPOP GmbH. Hamburg 2020

Mit ♡ Wir und die Liebe ist eine bereits seit zwei Jahren andauernde Liebe im Mittelpunkt des Geschehens. Die etwas burschikose Oto ist in Saito, einen Jungen aus dem Basketball verliebt. Dieser wiederum ist sich sicher, dass Oto in seinen besten Freund Arioka verliebt ist. Ein kompliziertes Dreiecksgespann, das Aufklärung bedarf!

Die zweite und zugleich letzte bislang in Deutschland unveröffentlichte Episode ist Survivial, auf etwa 45 Seiten behandelt diese den bevorstehenden Valentinstag. Protagonistin Kayu ist glücklich verliebt, obwohl ihr Freund eher kaltherzig erscheint. Als sie bemerkt dass Sugimoto, ein neuer Schüler, von ihren Klassenkameradinnen drangsaliert wird, ergreift sie Partei für den fleißigen Brillenträger.

Dies wiederum missfällt ihrem Schwarm Sasuke sehr. Als Muster-Schüler Sugimoto plötzlich den Kontakt zu Kayu abbricht, muss diese ihre Emotionen ordnen und sich fragen, was sie eigentlich genau möchte. Bevor sie sich dessen völlig bewusst ist, wandelt sich jedoch alles …

Märchenwelten beinhaltet darüber hinaus drei weitere Kurzgeschichten, die allesamt interessant zu lesen sind. Neben romantischen Gefühlen ist insbesondere ein Fokus auf dramatische Erzählungen festzustellen. Außerdem ist anzumerken, dass die Kapitel nicht unbedingt erwartungsgemäß verlaufen, weswegen nicht immer auf das sprichwörtliche Happy-End spekuliert werden kann. 

Zeichenstil

Obwohl die Geschichten und ihre jeweilige Bebilderung oftmals über 15 Jahre alt ist, erscheinen die Zeichnungen noch immer relativ modern. Eine klare Linienführung paart sich mit dem ausgiebigen Gebrauch von Rasterfolie im Vorder-und Hintergrund. Letzterer ist sporadisch auch mit eigenen Darstellungen befüllt.

Der Stil von Yoko Maki ist insbesondere in ihren Charakterdesigns zu erkennen: Süße Mädchen und lässige Jungs, deren Augen von besonderer Größe sind. Ihnen liegt ein besonderer Glanz inne, der sich mit der funkelnden Gesamtoptik des Werks gut ergänzt. 

Die vorliegende Kurzgeschichten-Sammlung Märchenwelten offeriert damit zugleich einen Rückblick auf vergangene Illustrationen der mittlerweile sehr erfolgreichen Künstlerin. Gerade da sich diese zuletzt von dem Manga-Zeichnen zurückzog, ist dieser Einzelband sicherlich mit besonderen Emotionen für jeden großen Fan der Autorin und Zeichnerin verbunden. 

Storytelling

Die Perspektive ist stets auf die weiblichen Akteure der jeweiligen Handlung beschränkt. Den männlichen Figuren ist lediglich der Ausdruck durch Worte des Dialogs gestattet, jedoch werden keine Gedanken dieser unmittelbar an das Publikum weitergeleitet. Obwohl einige Geschichten bekannten Klischees folgen, setzt Maki beispielsweise mit Fräulein Yuri besondere Akzente. Die Überraschung der Geschichte möchten wir an dieser Stelle zwar nicht vorwegnehmen, versprechen allerdings eine Abkehr vom stereotypischen Verlauf.

Doch auch für das Publikum, das Erzählungen klassischer Art bevorzugt sorgt die Mangaka natürlich. Trotz dieses Lobs ist jedoch auch anzumerken, dass der Manga mit deutlich limitierenden Faktoren behaftet ist. Einige der Kapitel sind in ihrer Entwicklung oder ihrem Ausgang zu überstürzt, zu abrupt. Auf letzteres könnte ein vorübergehender Zustand der Konfusion folgen.

Fazit

Ein für derartige Kurzgeschichten offenes Publikum findet in dieser breiten Zusammenstellung zu verhältnismäßig kleinem Preis von 7,99 Euro (D) für knapp über 300 Seiten eine breite Auswahl verschiedener Thematiken. Es ist als sehr innovativ zu beurteilen, dass die enthaltenen Kapitel nicht zwingend den Stereotypen des Shojo-Segments folgen. Stattdessen setzt Autorin Yoko Maki vermehrt auf dramatische Züge.

Ob dies den eigenen Wünschen entspricht oder stattdessen seicht-fröhliche Romance-Geschichten gewünscht sind, unterliegt der individuellen Entscheidung. Es ist in jedem Fall anerkennend zuzugestehen, dass es der Mangaka gelingt, auch weniger stereotypische Werke vorzulegen. Lediglich in Bezug auf das Erzähltempo ist Verbesserungsbedarf erforderlich. So enden die Kapitel zumeist unversehens.

Spezialfilm des Ribon-Magazins zum 20-jährigen Jubiläum von Yoko Maki

Auf eine Leseprobe können wir an dieser Stelle leider nicht verweisen, da sowohl seitens des japanischen als auch deutschen Verlags keine entsprechende Preview zur Verfügung gestellt wird. Da Märchenwelten jedoch nicht eingeschweißt ist, ist es möglich, auch auf unkomplizierte Art und Weise vor Ort im Handel in das Buch hineinschauen. 

Abschließend bedanken wir uns herzlich bei TOKYOPOP Deutschland für die Zurverfügungstellung eines Exemplars für diese Review.