Manga-Wunsch #15: Asuperu Kanojo

Sonntag, 11. Oktober 2020, 16:50
Manga-Wunsch #15: Asuperu Kanojo
Asuperu Kanojo © by Souhachi Hagimoto, Renji Morita / Kodansha Ltd.

Titel wie der Heutige lassen in mir öfters das Verlangen aufkeimen, den Verlauf von Inhalten in Manga im Bezug auf die gesellschaftliche Entwicklung Japans nachzuverfolgen. 

Was ist eigentlich Asuperu Kanojo?

Der Manga von Autor Souhachi Hagimoto und Zeichner Renji Morita wird seit März 2018 auf der noch jungen Plattform Comic Days veröffentlicht. Für beide ist dies ihre erste Serialisierung, wodurch hier nicht viel an Hintergrundinformationen zu holen ist. Auch die anderen Exklusivtitel der Plattform dürften in Deutschland kaum ein Licht aufgehen lassen. Insofern ist ein Sprung zur Handlung leider naheliegend:

Taku Yokoi kommt nicht gut mit Menschen klar, deshalb hat er sich direkt nach seinem Abschluss in die Anonymität Tokyos geflüchtet. Alleine lebend verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Austragen von Zeitungen und Doujinshi zeichnen – auch wenn seine nicht-erotischen Werke alle ignoriert werden. Eines Tages taucht ein Mädchen vor seiner Türschwelle auf und stellt sich als Megumi Saitou vor. Sie sei ein großer Fan seiner Doujinshi und von Tottori bis nach Tokyo gefahren, um ihn persönlich zu treffen. Sollte dies nicht Warnung genug sein, wird schnell klar, dass Megumi psychisch nicht stabil ist. Da sie sich aber partout weigert wieder zu gehen und Taku seinem Drang zu helfen nicht widerstehen kann, nimmt er sie bei sich auf. Es dauert nicht lange, bis ihm klar wird, dass diese Entscheidung mit mehr Problemen behaftet ist, als er zuerst geahnt hat …

Asuperu Kanojo © Souhachi Hagimoto, Renji Morita / Kodansha Ltd.

Warum möchte ich Asuperu Kanojo?

Asuperu Kanojo erzählt eine Geschichte über psychische Krankheiten und ist dabei einzigartig erbarmungslos. Es scheint, als hätten die Autoren sich den Anspruch gestellt, ihren Manga so realistisch wie möglich zu gestalten, was sie auch vor schwer verdaulichen Szenen nicht zurückschrecken lässt. Im Prinzip besteht der Titel aus einer einzigen, großen Triggerwarnung, denn das namensgebende „Asperger Girl“ und der Protagonist leiden unter einer Fülle an Krankheiten und Problemen, deren Symptome alle gezeigt werden. Gerade das ist aber wichtig, denn die Verarbeitung solcher Themen in zeitgenössischer Kunst und Unterhaltung hilft bei der Entstigmatisierung des Themas.

Von Menschen zu lesen, die u. a. unter asozialem und/oder selbstverletzendem Verhalten, posttraumatischen Belastungsstörungen oder starken Zwangsstörungen leiden ist unangenehm, erlaubt aber gleichzeitig einen Einblick in die Welt mit der sich diese Personen tagtäglich rumschlagen müssen. Im Werk selbst werden sowohl die Krankheiten als auch die Beziehung der beiden Protagonisten zu keinem Zeitpunkt romantisiert. Titel wie Wer bist du zur blauen Stunde? von Yuki Kamatani oder Gute Nacht, Punpun von Inio Asano schlagen in eine ähnliche Nische, wobei hier Wer bist du zur blauen Stunde? der etwas treffendere Vergleich ist. Wem der Film Rain Man etwas sagt, der wird auch dort einige Ähnlichkeiten erkennen.

Renji Morita macht als Zeichner einen soliden Job und setzt die eher bedrückende Stimmung der Handlung treffend visuell um, indem er mit vielen großen, gleichfarbigen Flächen ein Gefühl der Leere erzeugt. Es besteht schlichtweg keine Notwendigkeit für viele Details, daher ist es umso wichtiger, dass die Zeichnungen klar und nicht überladen sind, was Morita gelingt. Des Weiteren überzeugen auch die Charakterdesigns. Taku sieht – seiner Persönlichkeit entsprechend – aus wie ein durchschnittlicher Jedermann, während Megumi – ebenfalls passend – heraussticht wie ein bunter Hund.

Mit Asuperu Kanojo hat man die Chance in Deutschland einen Beitrag zur Inklusion und zur Entstigmatisierung psychischer Krankheiten zu leisten. Einen ersten Eindruck kann man sich hier mit einer japanischen Leseprobe zum ersten Kapitel machen.