Düster wie lüstern: „Twittering Birds Never Fly“, Band 02


Düster wie lüstern: „Twittering Birds Never Fly“, Band 02
SAEZURUTORI WA HABATAKANAI vol. 2 ©2013 KOU YONEDA by TAIYOH TOSHO Co., Ltd.

Während die erwachsene Boys-Love-Reihe Twittering Birds Never Fly von Kou Yoneda in Japan ihrem Abschluss immer weiter entgegenstrebt, publiziert Manga Cult den Titel seit Anfang September auf Deutsch. Der Auftakt erlebt einen Hype – die Erstauflage war bereits vor offiziellem Verkaufsstart verlagsseitig ausverkauft. In unserem Ersteindruck legten wir zuletzt dar, dass wir trotz der interessanten Thematiken des Mangas die allgemeine Euphorie nicht teilen. Nun wagen wir uns erneut an den Titel – und besprechen den zweiten Band im Folgenden.

Dieser erscheint wieder im gewohnten Großformat von 14 x 21 Zentimeter. Im Gesamtumfang von 256 Seiten sind außerdem zwei doppelseitig bedruckte Farbseiten auf Hochglanz-Papier enthalten. Der Buchtitel sowie das Logo des Verlags sind auf dem Frontcover und dem Buchrücken mit Spotlack überzogen.  

Preislich ist der Titel um zwei Euro von 10,00 Euro (D) auf 12,00 Euro (D) gestiegen. Die seitens des Ludwigsburger Herausgebers erklärten Hintergründe zu dieser Entscheidung haben wir vor einiger Zeit in diesem Artikel dargelegt. Ob dieser Preis – aus unserer Sicht – auch dem Inhalt gegenüber gerecht erscheint, klären wir als Nächstes. 

Da es sich im weiteren Verlauf um die Rezension eines weiterführenden Bandes handelt, ist vor potenziellen Spoilern zu warnen!

Inhaltsbeschreibung

Die Geschichte stellt einen Yakuza in gehobener Position in den Mittelpunkt, einen Mann namens Yashiro. Als Betreiber eines von der japanischen Mafia betriebenen Kreditinstituts trägt er maßgeblich zur Finanzierung der Organisation und deren zwielichtigen Aktivitäten bei. Während andere Kriminelle mit ihren Tätigkeiten nach Geld und Macht streben, gibt es nur eine Sache, die Yashiro begehrt: Die Befriedigung seiner unendlich erscheinenden Wollust.

Obwohl der gepflegte Mann äußerlich einen toughen Eindruck vermittelt, ist dessen Inneres von einem unabdingbarem Drang dieser körperlichen Bedürfnisse beherrscht. Seine Zuneigung am eigenen Geschlecht drückt er dabei offen aus. Damit nicht genug. Yashiro ist außerdem Masochist – er mag es, dominiert zu werden. Gewalt ihm gegenüber lehnt er dabei nicht ab, er wünscht sie sich explizit.

SAEZURUTORI WA HABATAKANAI vol. 2 ©2013 KOU YONEDA by TAIYOH TOSHO Co., Ltd. 

Zuletzt trat mit dem impotenten Doumeki ein ehemaliger Polizeibeamter als Bodyguard an die Seite Yashiros. Dessen Aufgabe ist die persönliche Assistenz – sexuelle Dienste sind explizit eingeschlossen. Allerdings empfindet Doumeki dabei mehr als Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Vorgesetzten, dessen selbstzerstörerisches wie provokantes Verhalten diesmal ernsthafte Konsequenzen nach sich zieht … 

Zeichenstil

Bereits in unserem Ersteindruck verblieben wir in der Schilderung der Visualisierung nüchtern – so auch diesmal. Große Zeichnungen sind sauber in mehreren Graustufen ausgearbeitet, kleinere Panels dagegen erscheinen stellenweise weniger präzise konzipiert. Der Lesefluss ist insgesamt dennoch sehr dynamisch gehalten; dahingehend ist kein Schwachpunkt der Reihe zu bemerken.    

Das vom Verlag angesetzte Großformat hätte es für diese Veröffentlichung allerdings nicht benötigt – die vergleichsweise bescheidene Hintergrundgestaltung wird durch dieses lediglich salienter aufgetragen – jener Mangel sticht ins Auge. Mittels der kostenlosen Leseprobe zum zweiten Band kann ein eigener, visueller Eindruck von dem dargestellten Geschehen gewonnen werden. Diese ist hier auf der offiziellen Webseite des Herausgebers zur Ansicht bereitgestellt. 

Abschließend ist erneut darauf hinzuweisen, dass die enthaltenen Szenen sexueller Natur allesamt in einer Weise zensiert sind. Freizügigkeit ist hinsichtlich der illustrativen Präsentation also nicht gegeben beziehungsweise zu erwarten. Entweder verdeckt eine geschickte Positionierung der Protagonisten oder andere Techniken des Zeichnens hindern an der Sicht auf das direkte Geschehen. Trotz dessen verlieren die betroffenen Szenen nicht an ihrem lüsternen Charakter. 

Storytelling

Der zweite Band der düsteren Geschichte vertieft das Setting effektiv. Insbesondere der perspektivische Wechsel in die Vergangenheit Yashiros schafft der Leserschaft einen tieferen Einblick in dessen Wesensart. Zugleich werden dessen Anfänge in den Yakuza-Kreisen aufgezeigt. Im selben Zuge ist auch dessen ehemaliger Schulkamerad Kageyama erneut Bestandteil der Erzählung. 

Ein anderer Blickwinkel fokussiert Doumeki und dessen traumatische Erfahrungen in seiner Jugendzeit. Außerdem stellt Autorin Kou Yoneda seine emotionale Situation greifbar dar. In diesem Band wird seine Zuneigung gegenüber seines unvernünftigen Vorgesetzten auf die Probe gestellt – die Yakuza-Elemente übersteigen hierbei den Boys-Love-Gehalt deutlich.

Wie bereits der Auftakt ist auch die Fortsetzung von verschiedenen Formen der – zuteil lustbetriebenen – Gewalt geprägt, wodurch sich eine düstere Gesamtatmosphäre innerhalb der Handlung etabliert, die ausschließlich einem erwachsenen Publikum anzuraten ist. Auch sprachlich ist der Inhalt wiederholt derb im gewählten Ausdruck – dem erklärten Setting ist dies jedoch absolut angemessen. Verlag Manga Cult empfiehlt der potenziellen Käuferschaft den Titel ab einem Alter von 16 Jahren zum Lesen. Hinsichtlich sexueller Gewalt ist eine Trigger-Warnung auszusprechen – diese ist eine signifikante Thematik des Mangas. 

Fazit

Zwar können wir auch nach dem Lesen der vorliegenden Fortsetzung von Twittering Birds Never Fly die Euphorie um den Titel nicht gänzlich teilen, doch ist eine inhaltliche Steigerung zu bemerken. Die Thematik verbleibt tendenziell einem ausgewählten Publikum vorbehalten, welches düstere Dramen wertschätzt, die auch sexualisierte Darstellungen homosexueller Art und Weise explizit in ihre Erzählung einbetten. 

Ähnlich die das In these words-Franchise ist bei dieser Reihe das Hauptaugenmerk auf das Storytelling zu richten, welches neben zahlreichen Figuren zudem diverse zeitliche Ebenen innerhalb des Verlaufs der dargelegten Geschichte installiert. Die visuelle Umsetzung des Inhalts beeindruckt unterdessen nicht in nennenswerter Manier. 

Die Kaufentscheidung gilt unter Umständen genau abzuwägen. Denn preislich sind ab dem zweiten Band 12,00 Euro (D) für Kou Yonedas Werk zu entrichten. Ein maßgeblicher Faktor hierfür ist auch das Format des Mangas – welches wir zuvor kritisierten. Trotz dessen sollte die Qualität des Mangas maßgeblich anhand des gebotenen Innenlebens auf handlungstechnischer Ebene bemessen werden.

SAEZURUTORI WA HABATAKANAI vol. 2 ©2013 KOU YONEDA by TAIYOH TOSHO Co., Ltd. | Grafik: © Manga Cult, Ludwigsburg 2020

Auf dieser überzeugt der Titel überwiegend. Zusammenfassend besticht der zweite Band insbesondere durch die Vertiefung des vormals konstruierten Settings. Die Erzählung – und dies ist der Leserschaft explizit vor dem Erwerb aufzuzeigen – behandelt sexualisierte Gewalt, die in ihrer Präsentation womöglich als zu euphorisierend wahrgenommen werden könnte, weswegen dahingehend sensible Menschen von der Inaugenscheinnahme des Mangas absehen sollten. Dem übrigen Publikum, welches nach einer schwermütigeren Erzählung verlangt, darf sich dahingegen auch auf weniger populäre Gegenstände der Boys-Love-Handlung einstellen – die Impotenz Doumekis beispielsweise. 

Diese Rezension entstand in Zusammenarbeit mit Manga Cult. Der Einfluss des Verlags bemisst sich dabei ausschließlich auf die freundliche Zurverfügungstellung eines Belegexemplars. Obiger Inhalt der Besprechung repräsentiert einzig und allein die subjektive Meinung des angezeigten Autoren unseres Manga-Passion-Redaktionsteams.

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