Buch über Yoshiharu Tsuges Reise zum „Festival de la Bande Dessinée d'Angoulême“ erschienen
Gekiga-Interessierte kennen sicherlich Yoshiharu Tsuge, hierzulande sind von dem Mangaka verschiedene Kurzgeschichtensammlungen bei Reprodukt auf Deutsch erschienen. In Japan wurde nun erstmals ein komplett neues Werk zu dem 1937 geborenen Künstler veröffentlicht – ein Roman über seine erste Auslandsreise.
Zum 30. Juni wurde das Buch Tsuge Yosiharu Meisakugenga to Furansu Kikou (etwa: Yoshiharu Tsuge: Originalzeichnungen der Meisterwerken und Frankreichreise) im japanischen Shinchosha-Verlag veröffentlicht. An der Entstehung haben neben Yoshiharu Tsuge selbst auch dessen Sohn Shosuke Tsuge sowie der Garo-Redakteur und Manga-Forscher Mitsuhiro Asakawa als Autoren mitgewirkt.
Inhaltlich steht Tsuges erste Auslandsreise im Alter von 82 Jahren im Mittelpunkt. Er war 2020 als Ehrengast auf das Festival de la Bande Dessinée d'Angoulême (Internationales Comicfestival von Angoulême) eingeladen. Im Museum von Angoulême wurde ihm in diesem Zuge eine eigene Ausstellung gewidmet. Außerdem seien „Originalzeichnungen“ zu sieben Werken Tsuges enthalten. Damit könnten Manuskript-Seiten gemeint sein. Als Preis sind 2.750 ¥ (etwa: 19,19 €) angesetzt, ein Import zuzüglich Versand ist beispielsweise über Amazon Japan möglich.
Reprodukt hat mit Rote Blüten, Der nutzlose Mann und Yoshios Jugend bereits drei Kurzgeschichtensammlungen des Mangakas auf Deutsch herausgegeben, zu letzterer haben wir im Dezember 2021 eine umfangreiche Besprechung veröffentlicht. In Japan hat Tsuge seit 1987 keinen neuen Manga veröffentlicht.
Über Yoshiharu Tsuge
Yoshiharu Tsuge, geboren 1937 in Tokio, begann seine Laufbahn als Mangaka, indem er Geschichten für Leihbuchhandlungen entwickelte, die im Japan der Nachkriegszeit aufgeblüht waren. In den frühen 1960er-Jahren begann er, erste Arbeiten für die avantgardistische Zeitschrift „Garo“ zu zeichnen, die es ihren Autoren ermöglichte, ohne redaktionell abgesteckte Grenzen mit neuen Erzählmethoden zu experimentieren. Diese neu gefundene Freiheit erlaubte es ihm, ein Genre zu entwickeln, in dem autobiografische und fiktionale Elemente eine neue Form der Authentizität hervorbringen – es trägt bald den Namen „Watakushi-Manga“ („Ich-Comic“).
Zusammen mit Yoshihiro Tatsumi (“Gegen den Strom”, Carlsen Verlag) erneuerte er die japanischen Comics, indem er Geschichten über das reale Leben einführte und sie mit wahrhaftigen Charakteren besetzte. Es sind häufig blasse, unauffällige Gestalten – in jedem anderen Comic wären es Randfiguren –, die seine Comics bevölkern.
Zwischen 1965 und 1970 veröffentlichte er Erzählungen mit starken surrealen Elementen: “Verschraubt” (“Neji Shiki”) aus dem Jahr 1968 war in Japan ein großer Erfolg. Mit der Veröffentlichung von “Rote Blüten” (“Akai Hana”) in Françoise Moulys und Art Spiegelmans “Raw” im Jahre 1985 wurde Yoshiharu Tsuge auch international wahrgenommen. Später führte eine tiefe persönliche Krise dazu, dass er sich aus dem öffentlichen Leben zurückzog. Seit 1987 hat Yoshiharu Tsuge keinen neuen Manga veröffentlicht. (© Reprodukt GmbH)




