Eindruck zu „Die Schatten aus unserer Vergangenheit“, Band 02

Eindruck zu „Die Schatten aus unserer Vergangenheit“, Band 02
NARE NO HATE NO BOKURA © 2020 Yae Utsumi. / Kodansha Ltd.

Der Auftakt von Die Schatten aus unserer Vergangenheit, dem Comeback der Bis deine Knochen verrotten-Zeichnerin Yae Utsumi, hat uns im Wesentlichen zugesagt hat. Nun werfen wir im Rahmen dieser Review erneut einen Blick auf den Titel um zu überprüfen, ob dieser auch weiterhin zu überzeugen weiß.

Der zweite Band weist einen Gesamtumfang von rund 190 Seiten auf. Die deutschsprachige Erstauflage wartet zudem mit einem an das Coverdesign angepassten Farbschnitt auf – diesmal ist dieser in einem Orange-Ton gehalten. Bereits seit Mitte März ist der Manga zu einem Preis von 7 Euro (D) überall erhältlich, selbstverständlich auch hier im offiziellen Webshop des Hamburger Herausgebers altraverse.

Da es sich um die Rezension eines weiterführenden Bandes handelt, ist vor kleinen Spoilern zu warnen! Das Fazit am Ende des Artikels ist selbstverständlich neutral abgefasst und kann bedenkenlos gelesen werden – dafür etwas weiter scrollen.

Handlung und Erzählweise

Nach 52 Stunden und 23 Minuten löste ein Spezialkommando der Polizei eine gewaltsame Festsetzung verschiedener Jugendlicher auf. Der einführenden Erklärungen des Auftakts zufolge, habe der 18-jährige Mikio seine ehemaligen Klassenkameraden gewaltsam über den Zeitraum von etwas mehr als zwei Tagen in dem alten Gebäude der Grundschule festgehalten. Auch Tote habe es innerhalb dieser Zeit gegeben.

Noch bevor diese Ereignisse weitergehend ausgeführt wurden, setzte ein Sprung in die jüngste Vergangenheit ein. Bereits kurz nachdem sich die ehemaligen Schüler*innen der Klasse 6-B schließlich nahezu vollständig versammelt hatten, begrüßt sie der wahnsinnig grinsende Organisator der Zusammenkunft. Nur kurze Zeit später wendete sich die zuvor ausgelassene Stimmung um die sprichwörtlichen 180 Grad. Der Grund: Eine Leiche wird zerteilt im Klassenraum aufgefunden. Mikio erklärte daraufhin, dass er den jungen Mann getötet und Fallen installiert habe, um die Zusammengekommenen an einer Flucht zu hindern.

NARE NO HATE NO BOKURA © 2020 Yae Utsumi. / Kodansha Ltd.

Das Erzeugen dieser Extremsituation versteht der außerdem mit einem Revolver bewaffnete Mikio als großangelegtes Experiment, das die Beziehung der ehemaligen Klassengemeinschaft aufzudecken vermag. Obwohl seine exakten Ziele noch nicht gänzlich offengelegt sind, lädt Autorin Yae Utsumi mit ihren zahlreichen Andeutungen die Leserschaft zu entsprechenden Spekulationen ein.

Auch innerhalb des zweiten Bandes ist sporadisch eine wechselnde Perspektivübernahme geboten. Während die vergangenen Geschehnisse der Gefangennahme für die Leserschaft schrittweise aufgearbeitet werden, sind zugleich prägnante Einblick in die tatsächliche Gegenwart geboten. Überlebende der mehr als zwei Tage andauernden Geschehnisse berichten gegenüber Kriminalbeamten von dem Erlebten. 

Thematisch erinnert die Geschichte an Werke wie Hitori Rendas und Nobuaki Kanazawas Ousama Game - Spiel oder stirb! sowie Yoshiki Tonogais Doubt-Franchise. Gegenwärtig umfasst die Reihe in Japan sechs Taschenbücher. Nach der Veröffentlichung unseren Ersteindrucks wurde Anfang März zudem bekannt, dass sich Die Schatten aus unserer Vergangenheit nun im finalen Arc befindet – ein Abschluss scheint somit in Sicht. Hierzulande veröffentlicht altraverse vorläufig alle drei Monate neue Bände des Titels. 

Zeichenstil

Hinsichtlich der Visualisierung knüpft Mangaka Yae Utsumi an den bekannten Darstellungen an. Dabei ist sowohl die kräftige Linienführung als auch das Spielen mit verschiedenen Kontrastabstufungen ein markantes Merkmal ihrer Illustrationen. Geschickt arbeitet die Künstlerin die düstere Grundstimmung des Titels auch optisch heraus – unter Verwendung der beiden zuvor genannten Techniken.

Die schlichte Hintergrundpräsentation betont dabei die dynamischen Vorgänge im Vordergrund effektiv. Die einzelnen Seiten erscheinen somit nicht überfüllt, sondern weisen eine gute Balance zwischen Befülltem und Freiraum auf, sodass das Gezeigte nicht erdrückend wirkt. Gelegentlich fällt der reiche Gebrauch von Rasterfolie auf.

All jenen, die noch nicht mit dem Stil der benannten Zeichnerin vertraut sind, möchten wir unbedingt diese 70 Seiten umfassende Leseprobe zum ersten Band der Geschichte ans Herz legen. 

Fazit

Der vorliegende Teil von Die Schatten aus unserer Vergangenheit knüpft nahtlos an die Geschehnisse des vorangegangenen Bandes an, der überwiegend positive Eindruck setzt sich darüber hinaus fort. Wenngleich das Konzept Genre-Kennern bekannt erscheinen mag, unterhält der Titel im Wesentlichen. Der erzähltechnische Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist dabei ideenreich. Wir sind gespannt, inwiefern diese Schwenks in den kommenden Bänden noch bedeutend werden.


Team altraverse über die Veröffentlichung

Vom Zeichenstil Yae Utsumis ausgehend gefällt der Manga ebenfalls, da dieser die inhaltlich aufgebaute Atmosphäre gut verbildlicht. Darüber hinaus besticht das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis der deutschsprachigen Ausgabe, welche durch den in der gesamten Erstauflage gebotenen Farbschnitt brilliert. Auch die weiteren Bände werden entsprechend veredelt, stets an das Coverdesign angepasst.

Abschließend bedanken wir uns bei altraverse für das unverbindliche Zusenden eines Belegexemplars, das diesen Artikel ermöglicht.

Lucas Sebastian

Lucas Sebastian | Autor

Student der Medien- und Kommunikationswissenschaften. Glaubt fest daran, dass thailändische Produktionen in Zukunft den Westen begeistern werden. Auf Twitter unter @LucasISebastian privat zu finden.