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Besprechung zu „Yunas Reise zum Ich – My Sex Change Experience“


Mittwoch, 22. September 2021, 19:00 Uhr
Besprechung zu „Yunas Reise zum Ich – My Sex Change Experience“
Boku ga watashi ni narutameni © 2016 Yuna Hirasawa. All rights reserved. / Kodansha Ltd.

Mitte August haben wir euch den ersten Band von Suwaru Kokos und Bingo Morihashis There is no Future in This Love etwas genauer vorgestellt. Dieser Manga greift das Thema Transidentität auf. Mit Yunas Reise zum Ich – My Sex Change Experience legte Carlsen Manga! nun ein Werk vor, das sich ebenfalls mit dem Wohlbefinden im eigenen Körper befasst und dabei einen besonderen Fokus auf die geschlechtsangleichende Operation bei Male-to-Female-Menschen legt.

Hierzulande ist der rund 140 Seiten umfassende Einzelband offiziell seit dem 03. August zu einem Preis von 10,00 € gedruckt und für 5,99 € digital erhältlich. Die Geschichte ist dabei als Großformat-Manga gefasst, die gesamte Buchaußenseite ist in Naturpapier-Haptik gehalten. Diese verwendet der Hamburger Herausgeber immer wieder bei besonderen Titeln, aktuell kommt diese Form der Verarbeitung beispielsweise bei Aki Iries Folge den Wolken nach Nord-Nordwest und Taiyo Matsumotos Sunny zum Einsatz. Darüber hinaus wartet die deutsche Ausgabe von Yunas Reise zum Ich – My Sex Change Experience mit einem dickeren Papier auf.

Inhaltsbeschreibung

Das vorliegende Werk ist in acht verschiedene Kapitel untergliedert, die allesamt von autobiographischem Charakter sind. Yuna Hirasawa beginnt den Manga mit ihrer Reise nach Thailand, der weltweit wohl führenden Nation für geschlechtsangleichende Operationen. Im Kern der Handlung steht der fast einmonatige Krankenhausaufenthalt. Die medizinischen wie organisatorischen Details kommen dabei gleichermaßen zur Sprache.

Neben den bürokratischen Schwierigkeiten, die innerhalb der Erzählung ebenfalls angeschnitten werden, stehen vor allem die verschiedenen Möglichkeiten in Bezug auf die Angleichung und Hirasawas spezifische Erfahrungen mit der sogenannten Sigmascheide-Operationsmethode im Mittelpunkt. Selbstredend sind die entsprechenden Inhalte jeweils auf die wichtigsten Sachverhalte heruntergebrochen – Hirasawa verfolgt mit diesem Werk nicht den Anspruch, einen umfangreichen Ratgeber für Menschen mit Geschlechtsdysphorie, so eine wertfreiere Bezeichnung der als Geschlechtsidentitätsstörung bekannten Diagnose, anzubieten.

Boku ga watashi ni narutameni © 2016 Yuna Hirasawa. All rights reserved. / Kodansha Ltd.

Viel eher hat der Titel etwas von einem Tagebuch, in dem die Mangaka ihre ganz persönlichen Erfahrungen teilt. Obwohl sich dieser Weg, die körperliche Angleichung von Mann zu Frau, für sie richtig anfühlt und sicherlich ein stückweit auch andere Betroffene mit ihren Schilderungen Mut machen möchte, lässt sie die Schwierigkeiten und mitunter unheimlich schmerzvollen Komplikationen nach dem Eingriff in ihren Aufzeichnungen nicht aus. Das Geschehen wird dabei nicht in Euphemismen gehüllt, sondern überraschend offenherzig präsentiert.

Zwischen den verschiedenen Episoden erklärt Hinasawa in ihren Kolumnen Fachbegriffe oder greift andere Punkte in Bezug auf ihre vorangegangenen Erklärungen noch einmal in Fließtext-Form auf. Hierbei gilt es zu beachten, dass sich einige Informationen auf das Jahr 2016 beziehen und somit nicht mehr aktuell sein könnten. Somit ist das Werk vor allem auch als momentspezifischer Bericht der Situation von Male-to-Female-Menschen in Japan einzuordnen.

Obwohl die Autorin über die Hürden, die der japanische Gesetzgeber Menschen mit Geschlechtsdysphorie entgegenstellt, anspricht, kritisiert sie diese nicht scharf. Viel eher überlässt sie ihrem Publikum die Beurteilung. Selbstredend ist das Arrangement der entsprechenden Inhalte im Gesamtkontext dennoch von einer gewissen Lesart geprägt.

Visualisierung

Mit weichem Strich ist die Geschichte in saubere Bilder gefasst, das Charakterdesign ist rundlich gehalten und vermittelt ein Gefühl von Schlichtheit. Die einzelnen Zeichnungen im Vordergrund sind einfach, häufig auch überspitzt, gehalten und mit wenigen Kontrastabstufungen ergänzt. Darüber hinaus findet Rasterfolie für die Hintergrundgestaltung Verwendung.

Im Wesentlichen begleiten die Bilder den vergleichsweise hohen Textanteil. Sie dienen der Visualisierung einzelner Inhalte und der allgemeinen Auflockerung, sprechen aber nicht unbedingt für sich selbst. Dennoch gefällt die stilistische Umsetzung, die durchaus effektiv den eigenen Fokus auf das Wichtige, die Erzählung selbst, zu konzentrieren weiß.

Der Hamburger Herausgeber der Reihe, Carlsen Manga!, stellt hier eine kostenlose Leseprobe bereit. Diese umfasst das gesamte erste Kapitel samt angeschlossener Kolumne. Alternativ ist es aber auch möglich, den Einzelband im Geschäft vor Ort in die Hand zu nehmen, um einmal durchzublättern. Das bietet sich insbesondere an, um das Großformat auf sich wirken zu lassen und die eingangs angesprochene Naturpapier-Haptik einmal live zu erleben.

Fazit

Wie im Rahmen der Inhaltsbeschreibung erläutert, legt Yuna Hirasawa mit Yunas Reise zum Ich – My Sex Change Experience ihr bislang persönlichstes Werk vor. Das ist natürlich auf den autobiographischen Charakter der Erzählung zurückzuführen. Ohne den moralischen Zeigefinger in irgendeine Richtung zu erheben, schildert sie von ihren ganz eigenen Erfahrung in Bezug auf die körperliche Geschlechtsangleichung.

Zugleich nimmt sie dabei scheinbar kein Blatt vor den Mund, so kommentiert sie ihren ersten Auslandsaufenthalt in Thailand unverblümt aus einer Art Touristen-Perspektive und lässt im Verlauf der weiteren Ausführungen auch die bei beziehungsweise nach der Operation auftretenden Komplikationen nicht aus. Optisch ist die dargestellte Reise ansprechend aufbereitet.

Abschließend bedanken wir uns herzlich bei Carlsen Manga! für die unverbindliche Zurverfügungstellung eines Belegexemplars.

TagsCarlsen Manga!Review
Lucas Sebastian

Lucas Sebastian | Autor

Seit 2020 im Manga-Passion-Team. Auf X/Twitter unter @LucasISebastian privat zu finden. Zur Amazon-Wishlist des Redakteurs: https://www.amazon.de/hz/wishlist/ls/1JLXMONWSXYWK?ref_=wl_share

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